Nachhaltige Mode

In meinem Leben vor Adolf habe ich nie hinterfragt, ob der Preis eines Kleidungsstückes überhaupt in Zusammenhang mit seiner Qualität stehen kann. 

Nach meiner neuen Definition von Qualität lautet die Antwort ganz klar: nein! Eben gerade nicht die teuren Luxusmodenmarken sind qualitativ hochwertig. Vielmehr ist ein Textil, das weder die Umwelt, noch meine Gesundheit (oder während seines Herstellungsprozesses: die Gesundheit der Arbeiter) gefährdet für mich qualitativ hochwertig. Teuer muss es hingegen nicht zwangsläufig sein, um diesen Qualitätsanspruch zu erfüllen. 

Früher habe ich mir darüber keinen einzigen Gedanken gemacht. Aber es ist eben nicht mehr “früher”. Im Zuge meiner Erkrankung fragte ich mich also mehr und mehr, was genau ich den ganzen Tag auf meiner Haut trage. Wie nachhaltig kann der Produktionsprozess sein? Welchen Gefahren sind bereits die Näher(innen) ausgesetzt? Wie gesund oder ungesund kann die Entscheidung über meine Kleiderwahl für mich sein?

Als ich also begann, mich zu fragen, ob Kleidung eventuell doch mehr als nur ein hübsches, wärmendes Accessoire auf meiner Haut ist, kam ich schnell zu der Erkenntnis, dass wir einige Kleidungsstücke tatsächlich 24 Stunden am Tag tragen. 

Das entspricht 24 Stunden, in denen die chemischen Inhaltsstoffe mit unserem größten Organ -der Haut- in Berührung kommen. Allem voran Unterwäsche und Socken. Abgesehen vom Hochsommer tragen wir beide Kleidungsstückgruppen den ganzen Tag lang auf der Haut; teilweise sogar nachts. Um der Haut eine Pause zu gönnen, bleibt nur die Option, nackt zu schlafen. In solch einem Fall müsste man sich wiederum besondere Gedanken über die Inhaltsstoffe der Bettwäsche machen. Ein Teufelskreis.

Fakt ist, dass die meisten von uns sich lediglich beim Duschen und beim Sex vollständig entkleiden. Diese beiden Tätigkeiten werden wohl nur einen sehr kurzen Zeitraum innerhalb eines 24-stündigen Tages ausmachen. Wir sind also beinahe immer und zu jeder Zeit in Textilien gehüllt. 

Wir kommen nackt auf die Welt. Dann dauert es keine 15 Minuten, dass Säuglinge fortan 24 Stunden täglich in Kleidung und andere Textilien eingepackt sind. Denn die wohlwollende Annahme, dass Kinderkleidung nicht unter Einsatz von giftigen Chemikalien hergestellt wird, ist grundlegend falsch: 

In all unseren Kleidungsstücken schlummert eine Vielzahl gesundheitsbedenklicher Substanzen. In der Textilproduktion kommen rund 7.000 verschiedene Chemikalien zum Einsatz. In Deutschland sind durch EU-Richtlinien eine Vielzahl dieser Giftstoffe in Textilien verboten oder dürfen einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten.  Doch diese Bestimmungen gelten nur für eine Produktion innerhalb der EU. Sie gelten nicht für importierte Ware. Bekanntermaßen befindet sich heute jedoch der absolut größte Teil der produzierenden Textilindustrie außerhalb der EU. 2017 wurden Textilien im Wert von beinahe 130 Milliarden US-Dollar aus China und Indien in die Welt exportiert. Aus Deutschland stammten gerade einmal Textilien im Wert von knapp 14 Milliarden US-Dollar, also 90 Prozent weniger.

Maßnahmen, um Chemikalien in Kleidung zu reduzieren

Eine wichtige Grundregel, um grob die schlimmsten Chemikalien aus Textilien herauszubekommen kennen und befolgen wohl die meisten: vor dem ersten Tragen die Kleidung waschen.

Eine Chemikerin namens Dr. Giovanna Luongo kam im Zuge ihrer Forschung zu dem Schluss, dass Giftstoffe in Textilien schlimme Auswirkungen auf den Menschen haben können: einige der gefundenen Giftstoffe können Krebs auslösen. Andere verpesten die Gewässer. Vier der am häufigsten vorkommenden und giftigsten Chemikalien-Gruppen, die leicht in die Haut eindringen können, wählte sie aus, um sie genauer zu untersuchen: Die höchste Konzentration fand sich in Chinolin und aromatischen Aminen, die insbesondere in Polyester vorkamen. Kleidungsstücke aus Baumwolle waren am meisten mit Benzothiazol (Fungizid) belastet. Baumwolle kommt nicht erst beim Herstellungsprozess mit Giftstoffen in Berührung, sondern bereits beim Anbau.

Im Anschluss an die Messungen haben die Forscher die Textilien gewaschen, um erneut den Belastungsgrad der Gifte zu messen. Einige der Giftstoffe sind nach dem Waschen in hoher Konzentration in den Textilien verblieben. Andere wurden ausgewaschen, was sich auf die Träger der Kleidung zwar positiv auswirkt, dafür aber mit einem hohen Grad an Wasserverschmutzung einhergeht.

Einen sinnvollen Ansatz, diesem Problem entgegenzuwirken verfolgen nicht nur ökologisch bewussten Menschen: Second Hand Kleidung kaufen.

GOTS: Die Steigerung von Second Hand?

Second Hand hat sowohl entscheidende Vorteile für den Menschen, als auch für die Natur. Kein erneuter Herstellungsprozess und bereits diverse Male gewaschen. Das Ausgangsproblem bleibt nur leider das Gleiche: als dieses Kleidungsstück hergestellt wurde, wurden Chemikalien verwendet und mit dem Waschen teils in die Umwelt abgegeben.

Es benötigt also einen Prozess, der bereits bei der Herstellung Giftstoffe ausschließt. Einem solchen Prozess hat sich die Zertifizierung “GOTS (Global Organic Textile Standard) verschrieben.  Alle Arten von Textilien können durch diesen Standard ausgezeichnet werden: z.B. Handtücher, Bettwäsche, Stoffe und auch Wolle.

Dieser Standard ist einer der höchsten und legt den Herstellern eine Vielzahl an Kriterien im gesamten Herstellungsprozess auf.

Für uns spielen insbesondere die strengen Vorgaben bezüglich chemischer Inhaltsstoffe die ausschlaggebende Rolle. Diese stehen für uns im Zusammenhang mit gesundheitlichen Vorteilen. Z.B. müssen chemische Zusätze (Farbstoffe und Chemikalien) während des gesamten Herstellungsprozesses Grundlagen bezüglich ihrer biologischen Abbaubarkeit erfüllen. Desweiteren sind viele, als giftig eingestufte Schwermetalle oder das problematische Formaldehyd verboten. Es sind weder Chlorbleiche noch Azofarbstoffe erlaubt.

Darüber hinaus erhebt GOTS strenge Sozialkriterien (z.B. sichere Arbeitsbedingungen, Verbot von Kinderarbeit und Mindestlohn).
Auch für das Verpackungsmaterial der zertifizierten Kleidungsstücke gelten Regelungen. Z.B. dürfen sie kein PVC enthalten.

Meine persönliche Strategie setzt sich daher aus dem doppelten Effekt zusammen: wenn möglich kaufen wir gebrauchte und gleichzeitig GOTS zertifizierte Kleidung.

Da nicht alle GOTS zertifizierten Bekleidungsmarken so bekannt sind, wie z.B. Armedangels, hier eine Liste mit Marken für Damen- bzw. Kinderbekleidung, die den strengen Kriterien unterliegen (enthält Werbung):

Damenbekleidung:

Kinderbekleidung:

 

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