Gesunde Ernährung

gesunde Ernährung

Für einen wirklich gesunden Lebensstil spielt meiner Meinung nach eine gesunde Ernährung die absolute Hauptrolle. Sie ist der Oscarpreisträger unter den gesundheitsfördernden Maßnahmen. Was wir essen, wird Teil von uns: du bist, was du isst- das wusste bereits der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach. Unser Körper benötigt Energie zum Leben. Woraus er diese Energie bekommt, kann insbesondere im Krankheitsfall meiner Meinung nach durchaus entscheidend sein.

Die Wissenschaft über (gesunde) Ernährungsweisen ist meinem Empfinden nach eine der unübersichtlichsten und widersprüchlichsten Wissenschaften überhaupt.

Wenn man -wie ich- seine Ernährung in der Hoffnung optimieren möchte, dem Krebs entgegenzuwirken, wird man immer wieder auf viele unterschiedliche Meinungen diesbezüglich treffen.

Nicht selten widersprechen sich diverse Ernährungswissenschaftler, Ärzte oder Onkologen. Es gibt Studien, die eine positive Wirkung eines Lebensmittels belegen. Zeitgleich wird in einem anderen Institut eine Studie durchgeführt, die zu einem gegenteiligen Schluss kommt. Daher bin ich nach meiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema „Ernährung“ bald zu dem Schluss gekommen, dass es kein allgemeingültiges „richtig“ oder „falsch“ in diesem Zusammenhang gibt.

Es bleibt jedem Einzelnen nur die Möglichkeit, seine eigene Überzeugung zu finden. Es gilt den einen Weg für sich selbst zu definieren, dessen Beschreitung den größten persönlichen Nutzen bringt.

Ungeachtet dessen, aus welchen Motiven die Ernährung umgestellt werden soll, ist es meiner Meinung nach unerlässlich, davon überzeugt zu sein, dass die gewählte Art der Ernährung die Beste für den eigenen Körper darstellt.

Alles in Allem machen die vielen Aspekte zum Thema „Ernährung“ es dennoch zu einem sehr spannenden Themenfeld. Denn in einem sind sich alle Mediziner und Wissenschaftler einig: die Ernährung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit unseres Körpers.

Bio oder konventionell?

Das Kochen habe ich nie als eine meiner liebsten Aufgaben empfunden, weshalb ich mich viele Jahre davor gedrückt habe: in der Kantine essen, Spaghetti Bolognese (das kann man kaum „Kochen“ nennen), Tiefkühlpizza, mal ein paar Kartoffeln mit Gemüse. Sehr abwechslungsreich sah mein Essensplan früher nicht aus.

Bereits in der Schwangerschaft habe ich begonnen, selbst zu kochen. Die gesunde Ernährung unseres Kindes war uns von der ersten Minute an sehr wichtig. Daher lösten nach dem positiven Schwangerschaftstest die Bio-Produkte in unserem Kühlschrank langsam aber stetig die konventionellen Nahrungsmittel ab.

Seit meiner Erkrankung steht „Bio“ für uns als grundlegendes Synonym für „gesundes Essen“. Seither dürfen nur noch Bio-Lebensmittel Einzug in unsere Küche und auf unsere Teller halten.
Sobald jedoch Bio-Produkte anstatt von konventionellem Obst und Gemüse im Einkaufswagen landen, macht sich dies schnell in der Haushaltskasse bemerkbar. Denn leider sind Bio-Produkte teurer als konventionelle Produkte. Dennoch gibt es durch den wachsenden Trend hin zu Bio-Lebensmitteln immer günstigere Bezugsquellen. Das Reformhaus als Monopolhalter für ökologische Produkte gehört längst der Vergangenheit an.

„Bio“ ist mehr als ein Trend. Durch die wachsende Nachfrage nach „Bio“ sinken auch in diesem Bereich stetig die Preise. Wie Öko-Test angibt, ist zum Bespiel „Aldi Süd“ mit 14 Prozent am gesamten Bio-Lebensmittelverkauf beteiligt. Auf diese Weise machen die Discounter den ökologischen Einkauf für die breite Masse zugänglich. Durch den Zuwachs an Eigenmarken im Bio-Bereich wird ein ökologischer Einkauf im Supermarkt immer leichter und ebenfalls bezahlbarer. So dass heute eine Ernährung mit Bio-Produkten nicht nur wohlhabenden Haushalten vorbehalten sein muss.

Um dennoch Geld zu sparen lässt sich ein Mix aus Bio-Produkten und konventionellen Produkten gestalten. So könnten Obst, Gemüse, Milch und Fleisch in Öko-Standard im Einkaufswagen landen. Daneben -zur Schonung des Gelbeutels- verpackte Produkte aus konventioneller Herstellung.

Ein weiterer Tipp, um Geld zu sparen und dennoch hochwertige Bioprodukte zu kaufen, sind Wochenmärkte.

In fast allen Regionen gibt es regelmäßig Märkte, auf denen Obst und Gemüse zu einem relativ günstigen Preis angeboten werden, da sich die Logistikkette über diesen Vertriebsweg erheblich verkürzt. Zudem sind die angebotenen Produkte in der Regel regional, was die Umwelt schont. Darüber hinaus sollte eine gesunde Ernährung ohnehin sinnvollerweise aus saisonalen (und somit regionalen) Lebensmitteln bestehen.

Aber: Ist „Bio gleich Bio“?

Bezüglich der Qualität müsse man sich laut Öko-Test keine Sorgen machen: Discounter-Bio, sei kein “Bio zweiter Klasse“. Sobald Bioprodukte mit dem europäischen Bio-Siegel versehen sind, müssen bestimmte Vorgaben eingehalten werden. Unter anderem: der Verzicht auf Gentechnik und auf synthetische Pflanzenschutzmittel. Öko-Test zitiert an dieser Stelle den Geschäftsführer des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), dass die Kunden darauf vertrauen könnten, dass Bio drin sei, sobald Bio drauf stünde.

Pestizidbelastung von frischen Lebensmitteln

Das wohl wichtigste Argument in der Entscheidung für Bio-Produkte liefern die sogenannten Pestizide. Am stärksten in der Kritik steht unter den Pestiziden immer wieder „Glyphosat“: der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) gibt auf seiner Internetseite an, dass das Pflanzengift Glyphosat in Deutschland und der ganzen Welt am häufigsten eingesetzt wird. Auf 40 Prozent der deutschen Ackerflächen kommt es zum Einsatz. 

Im März 2015 hatte allerdings die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als “wahrscheinlich krebserregend” (= Stufe 2A) für den Menschen eingestuft. “2A” ist die zweithöchste Gefahrengruppe. Erschreckenderweise lässt sich dieses Pestizid bei über 70 Prozent der Deutschen im Urin nachweisen, was beweist, dass die meisten von uns regelmäßig Produkte zu sich nehmen, die mit dem wahrscheinlich krebserregenden Gift behandelt wurden.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz hat 2015 einige frische Lebensmittel auf ihre Pestizidbelastung geprüft und in Untergruppen eingeordnet. Allerdings werden hierbei die zulässigen Höchstmengen (=Rückstandshöchstgehalt) an Pestiziden als Grundlage verwendet. Somit ist eine völlige Pestizidfreiheit nicht geprüft worden:

Geringe Rückstände (nicht über der zulässigen Menge) fanden sich in:

  • Bananen, Himbeeren, Kirschen, Melonen, Pfirsichen und Pflaumen
  • Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Kopfkohl, Porree und Spargel
  • Sonnenblumenkernen

Leicht über dem Rückstandshöchstgehalt befanden sich:

  • Äpfel, Aprikosen, Birnen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Orangen und Zitronen
  • Blumenkohl, Brokkoli, Gurken, Grüner Salat, Rucola, Zucchini und Tomaten

Produkte mit Rückständen über dem Rückstandshöchstgehalt:

  • Johannisbeeren, Mandarinen, Mangos, Tafeltrauben
  •  Auberginen, Bohnen (mit Hülsen), Feldsalat, frische Kräuter, Knollensellerie,       Kulturpilze, Rettich, Radieschen und Spinat
  • Tee

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt hingegen davor, dass hieraus keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Belastung eines konkreten Produktes möglich seien. Insgesamt sei hingegen erkennbar, dass Lebensmittel aus Deutschland und EU-Ländern weniger belastet sind, als aus den sogenannten „Drittländern“.

Auf der Internetseite der Zeitschrift Öko-Test findet sich ein Vergleich von Pestizidrückständen in Bio-Produkten und konventionellen Lebensmitteln.

Bioprodukte waren zu 70,9 % frei von jeglichen Pestiziden. Das entspricht immerhin zwei Dritteln aller Bio-Produkte.

Bei den konventionellen Produkten war beinahe das Gegenteil der Fall: nur 38,7% waren frei von Pestiziden und somit 61,3% belastet. Somit sind nahezu doppelt so viele Bioprodukte frei von Pestiziden.

Zugegeben, es ist schlimm genug, dass in gut einem Drittel der Bioprodukte überhaupt Pestizidrückstände gefunden worden sind. Dennoch deuten die Daten darauf hin, dass von Bioprodukten eine geringere Gefahr ausgeht, Pestizide(-rückstände) in den Körper aufzunehmen.

Kritiker könnten sich nun argumentieren, dass eben auch Bioprodukte belastet sind. Ich persönlich bin der Ansicht, dass es heutzutage leider ohnehin eine wundervolle Wunschvorstellung bleibt, immer und überall, alle gesundheitlich bedenklichen aus seinem Leben fernhalten zu können. Ich und meine Familie entscheiden uns daher aufgrund der deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit, Pestizide in unseren Körper aufzunehmen ausschließlich für „Bio“. Unsere Argumentation kommt aus der anderen Richtung: wenn sogar Bio- Produkte nicht ausnahmslos frei von Schadstoffen sind, welche Mengen finden sich dann in konventionellem Obst und Gemüse?

Allein aus diesem Grund sind wir überzeugte Anhänger der Biovariante. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf ökologisches Obst und Gemüse, Fleischwaren und Eier.

Trotz der offensichtlichen Reduzierung an Schadstoffen im Essen durch „Bio“ machen laut Öko-Test (06/2018) in Deutschland die Bio-Lebensmittel nur knapp 6 Prozent des ganzen Lebensmittelhandels aus. Forscher prophezeien jedoch ein weiter wachsendes Interesse der Verbraucher an ökologischen Lebensmitteln.

Die amerikanische Organisation „Environmental Working Group (EWG)“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lebensmittel auf Pestizide zu untersuchen. 

Jedes Jahr veröffentlichen sie eine Liste mit den „Dirty Dozen“: den zwölf Lebensmitteln, die am stärksten mit Pestiziden belastet sind. Es wird dringend geraten, diese Produkte ausschließlich in Bio-Qualität zu verzehren.

2019 & 2020 stehen die folgenden Lebensmittel auf der Liste:

  • Erdbeeren
  • Spinat
  • Grünkohl
  • Nektarinen
  • Äpfel
  • Trauben
  • Pfirsiche
  • Kirschen
  • Birnen
  • Tomaten
  • Sellerie 
  • Kartoffeln

Demgegenüber steht eine Liste der „besten“ Lebensmittel, die „Clean 15“: 

  • Avocados
  • Mais
  • Ananas
  • Gefrorene Erbsen
  • Zwiebeln
  • Papayas
  • Aubergine
  • Spargel
  • Kiwi
  • Kohl
  • Blumenkohl
  • Kantalupen
  • Brokkoli
  • Pilze 
  • Honigmelone

Wer sich etwas näher mit der Thematik „Bio-Lebensmittel“ auseinandersetzt, wird schnell auf unterschiedliche Differenzierungsgrade von Bio stoßen: es gibt eine Auswahl an Zertifizierungen, die unterschiedliche Ansprüche an den Anbau ihres zertifizierten Obstes und Gemüses stellen.

Die Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks „quer“ hat eine übersichtliche Tabelle zusammengestellt, welche die wichtigsten dieser Zertifizierungen vergleicht.

Der Standard in Deutschland:

Das EU-Biosiegel und das deutsche Bio-Siegel

Seit Juli 2010 müssen alle verpackten Öko-Lebensmittel, die in der EU produziert wurden, dieses Bio-Siegel tragen. Diese Lebensmittel erfüllen den EU-Mindeststandard: zum Beispiel müssen 95 Prozent der landwirtschaftlich produzierten Zutaten aus Ökoanbau stammen. Die Hersteller, die dieses Bio-Siegel tragen dürfen werden mindestens einmal im Jahr von einer Kontrollstelle überprüft. Über einen Code auf der Verpackung lässt sich die Kontrolle zurückverfolgen.

Neben dem EU-Siegel steht auf vielen Produkten noch das Deutsche Bio-Siegel. Dieses Bio-Siegel gibt es seit 2001, inzwischen auf mehr als 60.000 Produkten. Die Anbieter verzichten bei ihren Lebensmitteln zum Beispiel auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe. Die Waren dürfen nicht mehr als fünf Prozent konventionell angebaute Bestandteile enthalten. Tiere dürfen nur mit ökologischem Futter gefüttert werden, der Einsatz von Antibiotika ist beim deutschen Bio-Siegel stark begrenzt.

Die EU-Bio Richtlinien für Lebensmittelherstellung stellen gewisse Anforderungen an die mit dem Label ausgezeichneten Produkte und deren Herstellung: es gelten diverse Vorgaben zum Herstellungsprozess, Grenzwerten und zugelassenen bzw. verbotenen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln.

All dies gilt jedoch nur für Lebensmittel, die in Deutschland hergestellt werden. Das führt zu dem nicht unbedeutenden Problem, dass zwar Lebensmittel aus der EU diesen Richtwerten unterliegen. Hingegen Lebensmittel, die in die EU eingeführt werden, werden nicht hierauf überprüft. Durch importiertes Obst und Gemüse können somit auf unseren Tellern durchaus Produkte landen, die mit -in Deutschland verbotenen- Pestiziden belastet sind. Somit bietet das EU-Siegel lediglich eine grobe Sicherheit. Sozusagen eine Basis an Verbraucherschutz.

Die Richtlinien der folgenden Bio-Verbände sind sehr viel strenger. Sie sind zudem allesamt sehr vielfältig, weshalb ich nicht auf alle im speziellen eingehen kann. Dennoch haben sie eines gemeinsam: sie erfüllen höhere Anforderungen an die Herstellung ihrer Produkte, als “nur“ Bio. So sind z.B. beim EU-Siegel Teilumstellungen des Betriebes auf „Öko“ erlaubt. Das heißt in einem Teil des Betriebes kann Biogemüse angebaut werden und in einem anderen Teil weiterhin konventionelles Gemüse. Eine Gefahr, die hieraus für die Bioprodukte hervorgehen kann ist der Wind: durch den Wind könnten Pestizide, die für den konventionellen Anbau erlaubt sind und dort verwendet werden ebenfalls auf das Biofeld gelangen und somit vom Obst oder Gemüse aufgenommen werden. Dies stellt lediglich ein Beispiel da, weshalb der Kauf eines durch eine strengere Auszeichnung qualifiziertes Lebensmittel durchaus Sinn machen kann.

Zu den bekanntesten Bio-Siegeln zählen folgende:

Naturland

Ein Bio-Siegel mit hohen Standards für die Erzeugung und Verarbeitung. Naturland stellt die Besonderheiten des Naturland-Zertifikats ziemlich anschaulich auf seiner Internetseite (www.naturland.de) dar. So schließt Naturland die Verwendung von sogenannten „Nanomaterialien“ aus. Ihre Wirkung auf die Gesundheit des Menschen ist noch nicht umfassend geklärt. Das EU-Siegel sieht hierfür keine Regelung vor. Des weiteren müssen mindestens 50 Prozent des Futters bei Naturland vom eigenen Betrieb stammen. 

Im EU-Siegel müssen lediglich 20 Prozent der Futtermittel entweder vom Betrieb stammen oder „in derselben Region“ erzeugt werden. Der Einsatz von Antibiotika und konventioneller Tiermedizin ist beispielsweise bei Shrimps verboten. Im EU-Siegel hingegen erlaubt. Naturland schließt jegliche chemisch-synthetischen Produktionsmittel aus, wohingegen das EU-Siegel eine Genehmigung in Ausnahmefällen vorsieht. Des weiteren ist bei Naturland jegliche Verwendung von genetisch veränderten Organismen (GVO) und deren Derivaten verboten. Unter bestimmten Bedingungen ist deren Einsatz unter dem EU-Siegel erlaubt.

Bioland

Bioland ist nach eigenen Angaben der bedeutendste ökologische Anbauverband in Deutschland. Das System des Anbauverbandes basiert auf einem geschlossenen Betriebskreislauf, mit dem unter anderem auf die langfristige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit geachtet wird. Produktions- und Futtermittel stammen weitgehend aus dem eigenen Betrieb, erkrankte Tiere werden naturheilkundlich behandelt. Zusatzstoffe sind bei Bioland lediglich 24 zugelassen. Unter dem EU-Siegel sind immerhin beinahe doppelt so viele Stoffe zugelassen, nämlich 47. Im konventionellen Anbau hingegen über 300. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung gilt aktuell zwar nicht als nachgewiesen. Es können hingegen durchaus Langzeitfolgen in der Gesundheit des Menschen auftreten. In den Bioland-Milchprodukten ist kein gesundheitlich bedenkliches Carageen erlaubt. Unter dem EU-Siegel hingegen schon. Auch Nitratpökelsalz ist in Fleischerzeugnissen, entgegen dem EU-Siegel, verboten. Dies steht immer wieder im Verdacht, Krebs auslösen zu können.

Der Discounter „LIDL“ vertreibt seit 2019 eine Vielzahl an Produkten mit „Bioland“ Zertifizierung.

Demeter e.V.

Das älteste und ebenfalls strengste Zertifikat vergibt die Demeter-Gemeinschaft. Die Regulierungen basieren auf den Kriterien einer biologisch-dynamischen Landwirtschaft des Anthroposophen Rudolf Steiner (= Mitbegründer der Waldorfpädagogik). Selbst hergestellte Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien sollen eine langfristige Bodenfruchtbarkeit garantieren.

Unter dem Demeter Siegel müssen zudem 100 Prozent des Futters Bio-Futter sein: 2/3 des gesamten eingesetzten Futters muss sogar „Demeter“ sein, bei Wiederkäuern muss der Demeter-Anteil bei 80 Prozent liegen. Mindestens 50 Prozent des Futters muss hierbei vom eigenen Hof oder einer Betriebskooperation stammen. Unter dem EU-Siegel ist eine Futtererzeugung vom eigenen Hof nicht vorgeschrieben. Auch der Zukauf von Futtermitteln ist nicht geregelt.

Unnötige und für die Produkte schädliche Verfahren und Prozesshilfsstoffe sind bei Demeter ausgeschlossen (z.B. Homogenisierung von Milch). Es sind nur die Zusatzstoffe zugelassen, auf die nicht verzichtet werden kann. Daher ist Nitritpökelsalz auch hier nicht erlaubt. Isolierte Enzyme sind nur eingeschränkt erlaubt. Natürliche Enzyme (zum Beispiel Sauerteig) sind hingegen zugelassen. Unter dem EU-Siegel sind sowohl isolierte Enzyme, als auch Nitritpökelsalz erlaubt.

Demeter-Bäcker dürfen kein Brot aus Fertigbackmischungen backen oder aufgebackenes Brot als frisches Brot verkaufen. Das EU-Siegel erlaubt sowohl Fertigbackmischungen, als auch Aufbackbrote.

Alles in Allem müssen für eine Demeter Zertifizierung mindestens 90 Prozent aller Zutaten aus Demeter-Herstellung sein. Das EU-Siegel besteht zwar auf 95 Prozent. Jedoch müssen diese Zutaten lediglich „ökologischen Ursprungs“ sein. Das Demeter-Siegel gibt es für Lebensmittel, Kleidung und Kosmetik.

Wie man sich vermutlich vorstellen kann, sind Demeter, Bioland etc. zertifizierte Produkte teurer als konventionelle Erzeugnisse und auch als „Standard-Bio-Produkte“. Dies wird von den Verbänden auf mehrere Aspekte zurückgeführt. Der ökologische Pflanzenbau wird ohne chemische Hilfsmittel betrieben, was zu einem höheren Arbeitszeitaufwand führt. Durch den Verzicht verringert sich ebenfalls die Ertragsmenge des Bauern. Zudem ist die artgerechte Haltung der Tiere durchaus kostenintensiver. Das ergibt sich aus der Ernährung mit Bio-Futter, dem erhöhten Platzbedarf und der aus diesen Punkten resultierenden längeren Lebenszeit der Tiere.

Nicht leugnen kann man in letzter Konsequenz, dass auch die verschiedenen Zertifizierungen Geld kosten. Dieses Geld holen sich die Herstellerbetriebe ebenfalls über höhere Preise vom Verbraucher zurück. Dennoch sind durch die diversen Zertifizierungen für den Konsumenten die Standards der Lebensmittelherstellung weitestgehend offengelegt. Uns ist diese Transparenz –neben der hohen Qualität- den höheren Einkaufspreis durchaus wert.

So wird der Lebensmitteleinkauf im Bio-Supermarkt alles in allem teurer zu Buche schlagen, als im Discounter. Uns ist insbesondere bei frischen Lebensmitteln der hohe Standard extrem wichtig geworden. Gerne besuchen wir beispielsweise den Biosupermarkt „Denn’s“. Dennoch bin ich der Meinung, dass nicht ausnahmslos jedes Produkt aus der Demeter-Herstellung kommen muss. Es gibt durchaus Lebensmittel, die durch den EU-zertifizierten „Grundstandard“ in ausreichend hoher Qualität gekauft werden können.

Auch die „normalen“ Supermärkte, und sogar inzwischen die Discounter haben den wachsenden Trend erkannt: die Eigenmarke von „dm“ (denn auch hier gibt es eine Vielzahl an Lebensmitteln) hat ein eigenes Label in Zusammenarbeit mit Demeter produziert. „dmBio“ wird seit dem Zusammenschluss im Februar 2018 immer mehr auf „demeter“ umgestellt. Rewe vertreibt 200 seiner Produkte der Eigenmarke „Rewe Bio“ unter der Naturland-Zertifizierung. Unlängst ist sogar der Discounter LIDL auf den Zug mit aufgesprungen und verkauft seit 2019 in der „Bio Organic“ Produktpalette eine Vielzahl an Bioland-zertifizierten Lebensmitteln.

Es ist meiner Meinung nach ein deutlicher Trend zu erkennen. Die Verbraucher verlangen immer mehr nach ökologischen Alternativen

Ich für meinen Teil begrüße diesen Trend sehr. Zudem wird dem Verbraucher hierdurch eine immer größer werdende Produktpalette zum bezahlbaren Preis angeboten.

Französischen Wissenschaftler um Julia Baudry (Paris) wollten in ihrer „NutriNet-Santé-Studie“ den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit untersuchen. Beinahe 70.000 Probanden gaben in Fragebögen an, wie oft bestimmte Lebensmittel von ihnen als Bio-Variante verzehrt werden (Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch, Eier, Brot und Schokolade). Die Teilnehmer wurden im Anschluss über einen Zeitraum von durchschnittlich viereinhalb Jahren nachbeobachtet. In dieser Zeit erkrankten 1.340 Probanden (erstmals) an Krebs: mit 34,3 Prozent war die Rate der Brustkrebs(neu)patientinnen unter ihnen am höchsten.

Die Analyse der Wissenschaftler ergab, dass ein besonders häufiger Verzehr von Bio-Lebensmitteln unter anderem ein geringeres Risiko für Brustkrebs nach der Menopause nach sich zog: das Risiko war bei Teilnehmern mit dem höchsten Bio-Lebensmittelkonsum um 25 Prozent geringer, als bei Teilnehmern mit dem geringsten Verzehr an Bio-Kost.

Die beteiligten Forscher erklären den schützenden Effekt vor allem mit dem geringeren Gehalt an Pestiziden in Bio-Lebensmitteln. Insbesondere Brustkrebs könnte aufgrund der hormonähnlichen Wirkung einiger Pestizide in Zusammenhang mit dem Verzehr von nicht-Bio-Lebensmitteln stehen.

Nach meinem Verständnis rechtfertigen die vorhergehenden Argumente den leicht erhöhten Einkaufspreis, da man für die eigene Gesundheit einen derart hohen Nutzen hieraus ziehen kann. Meiner Meinung nach sollte dem Kauf von frischen Bio-Produkten die oberste Priorität in der Haushaltskasse zugeordnet werden. Stattdessen könnte man besser die eine oder andere –ebenfalls teure- Süßigkeit im Regal liegen lassen.

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