Wie Operieren?

Sentinel Wächterlymphknoten

Chirurgische Optionen

Brusterhaltende Operation, (Subkutane) Mastektomie und Wiederaufbauplastik 

 1. Brusterhaltende Operation: 

Es wird nur der Tumor (inklusive ausreichend umliegendem Gewebe) entfernt. 

Im Anschluss wird eine Strahlentherapie notwendig, um den Schutz vor einem Rückfall zu erhöhen. Viele Frauen können heute brusterhaltend operiert werden.

2. (Subkutane) Mastektomie 

Die Brust wird komplett abgenommen, also amputiert. Bei der Subkutanen Methode wird die Brustwarze erhalten, inklusive eines kleinen Restgewebes um sie herum.

Ob im Anschluss eine Bestrahlung notwendig wird, richtet sich nach dem individuellen Rückfallrisiko. Sind keine Lymphknoten befallen, kann oftmals darauf verzichtet werden.

A. Wiederaufbauplastik

Die Brust kann auf Wunsch im Anschluss an eine Mastektomie rekonstruiert werden.

A.1. Büstenhalterprothesen

Die Brust wird nicht operativ wiederaufgebaut. Die Prothesen werden beim Tragen in den BH eingelegt. 

A.2. Operativ eingesetzte Silikonimplantate

Die Implantate haben eine Silikonhülle und sind mit einem Silikongel gefüllt. Es gibt runde und anatomisch geformte Implantate. Der Brustwiederaufbau kann während der Amputations-Operation erfolgen. Der Aufbau ist auch zu jedem späteren Zeitpunkt möglich. Implantate gelten heute erwiesenermaßen als gesundheitlich unbedenklich. Die modernen Implantate müssen nicht mehr grundsätzlich alle zehn Jahre ausgetauscht werden.

A.3. Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe

Statt Silikon wird körpereigenes Gewebe (meist aus der Bauchregion) entnommen und hieraus eine neue Brust geformt. 

Für welche Operation habe ich mich entschieden?

Mein Mann ist wie bei allem, eine unverzichtbare Unterstützung in meinem Entscheidungsprozess. Zweifelsfrei muss aber  ich allein meine finale Entscheidung treffen. Vor allem, weil ich es bin, die den restlichen Teil meines Lebens mit ihr zurechtkommen muss. Genau diese -hoffentlich- lange Zeit begründet viele meiner Sorgen. 

Was, wenn ich mich falsch entscheide? 

Wenn ich nach der Operation bereue, was ich getan habe? 

Dann gibt es kein Zurück: einmal entscheiden, wird diese Entscheidung nicht rückgängig zu machen sein. 

Mein Tumor ist so klein, dass er rein medizinisch herausoperiert werden kann, ohne das gesamte Brustdrüsengewebe entfernen zu müssen. 

Bei dieser brusterhaltenden Operation würden der Tumor und ein Teil ihn umschließendes Gewebe weiträumig entfernt werden. Meine restliche Brust könnte erhalten bleiben. Im Anschluss müsste meine betroffene (linke) Brust vermutlich bestrahlt werden, damit eventuell umherschwirrende Tumorzellen im Gewebe getötet werden. 

Die gesunde rechte Brust würde bei diesem Verfahren nicht operiert. 

In Einzelfällen kann eine Anpassung erfolgen, da die operierte Brust wohl durchaus an Volumen verliert. 

In der Medizin hat in den vergangenen Jahren diese Operationsmethode die operative Therapie von Brustkrebs revolutioniert. 

Heute werden die meisten Frauen brusterhaltend von ihrem Tumor befreit

Nur einige wenige entscheiden sich hingegen für eine Mastektomie; die weitaus radikalere Methode: 

das gesamte Brustdrüsengewebe wird entfernt. 

Es kommen allerdings zwei unterschiedliche Verfahrensarten in Betracht.

Eine „echte“ Mastektomie entfernt nicht nur das Brustdrüsengewebe, sondern auch die Brustwarze. Es bleibt lediglich eine komplett flache Brust und eine relativ große Narbe. 

Wenn der Tumor günstig liegt, d.h. von der Brustwarze weit genug entfernt, gibt es eine weitere Möglichkeit: die sogenannte subkutane Mastektomie. Hierbei kann die Brustwarze erhalten bleiben. Ein Rest-Brustdrüsengewebe (um die Brustwarze herum) wird ebenfalls in der Brust belassen, damit die Brustwarze nicht abstirbt. Daher beträgt das Restrisiko, erneut zu erkranken circa 2 Prozent.

Beide Formen der Mastektomie sind sowohl für eine Brustseite, als auch für beide Brustseiten denkbar. 

Im nächsten Schritt kann die Entscheidung für oder gegen einen Brustaufbau getroffen werden

Hierbei kann Silikon, wie bei einer kosmetischen Brustvergrößerung, implantiert werden. 

Oder es wird Eigengewebe aus Bauchfett und Bauchmuskeln entnommen, um eine neue Brust zu formen.

Soviel zu meinen Optionen. 

Wie schnell zu erkennen ist, stellt eine Mastektomie einen deutlich einschneidenderen und tiefgreifenderen Operationsweg dar, als die brusterhaltende Operation. 

Vor dem Ergebnis der Genanalyse hatte ich immer wieder gehofft, dass sich die Frage nach einer Mastektomie nicht stellen wird. 

Doch auch hiervon hat mich das Leben nicht verschonen wollen. Ob ich will oder nicht: ich muss eine Entscheidung treffen. 

Ich muss sogar noch mehr als das: 

ich muss mein Leben lang mit dieser Entscheidung leben. 

Dieser Punkt ist es eigentlich, der mich so sehr verunsichert. Falls ich mich „falsch“ entscheide und es später bereuen würde, gäbe es kein Zurück mehr –nie mehr. Diese Verantwortung macht mir Angst. Und lässt mich meine finale Entscheidung immer und immer weiter vor mir herschieben. 

Dennoch: ich bin Genträgerin. Daher unterscheiden sich meine Prognosen und Einflussfaktoren von denen der Frauen, die ohne Genmutation erkrankt sind. 

Ich muss in meiner speziellen Situation genauestens abwägen. 

Dieser Prozess wird Wochen, ich denke sogar Monate in Anspruch genommen haben. Unendlich Abwägungen der „Für“ und „Wider“ mit meinem Mann. Versuche, mich mit jeder der Optionen in ihrem Pro und Contra abzufinden.

Mein Tumor ist klein genug, dass meine Brust weitestgehend erhalten bleiben könnte

Seine Lage spielt mir auch in die Karten, so dass eine brusterhaltende Operation durchaus sinnvoll wäre. 

Warum mehr durchmachen, als notwendig? 

Die meisten Ärzte raten heute zur brusterhaltenden Operation. In Kombination mit einer Bestrahlung läge das Risiko statistisch gleich auf mit einer Mastektomie -heißt es.  

Das ist meiner Meinung nach jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn die Statistiken stellen nur innerhalb der ersten Jahre die gleiche Prognose für eine Mastektomie, wie für eine brusterhaltende Operation in Kombination mit Bestrahlung auf. 

Die zugrunde liegenden Zahlen beziehen sich auf einen Überlebenszeitraum von fünf Jahren. 

In fünf Jahren bin ich 38. Was ist mit meinen restlichen Jahrzehnten? Diese Antwort liefern die Statistiken nicht. Somit liegen die Überlebensraten für das sogenannte „Gesamtüberleben“ nicht gleichauf. Eine Mastektomie bringt durchaus Überlebensvorteile. Insbesondere in Anbetracht meines jungen Erkrankungsalters und meiner Genmutation.

Denn nur eine Ausnahme gibt es, bei der eine medizinisch Empfehlung, brusterhaltend zu operieren nicht greift: BRCA Genträgerinnen wie mich. 

Das bedeutet für mich, dass nach einer überstandenen Brustkrebserkrankung auf der linken Seite, die Wahrscheinlichkeit im Laufe meines Lebens in der rechten Seite erneut zu erkranken, weiterhin deutlich erhöht bliebe. 

Die Frage, die sich also anknüpft: lasse ich lediglich die betroffene Seite operieren? Oder ebenfalls die völlig gesunde rechte Brust? 

Im Fall einer Mastektomie müsste ich keine Bestrahlung bekommen. Da meine Lymphknoten frei sind, könnte durch eine radikalere Operationsmethode auf die zusätzliche Bestrahlung verzichtet werden. Jede Therapie, die ich nicht machen muss, ist gut. 

Mein Arzt erklärt mir zudem, dass ich aufgrund der Größe und Lage des Tumors die Option hätte, eine subkutane Mastektomie durchführen zu lassen. Wenn ich die Brust in derselben Operation mit Silikon wiederaufbauen lassen würde, würde ich -rein optisch- genauso aus der Narkose wieder aufwachen, wie ich vorher war. 

Ich bin jung und für mich steht fest: ohne Brust möchte ich meine weiteren -hoffentlich noch mindestens 67- Jahre nicht leben müssen. 

Hieran knüpft sich für mich schnell der Entschluss: wenn ich einen Aufbau machen lassen werde, dann nur mit Silikon. Zum einen ist es die einfachere Methode –und auch das einfachere Operationsverfahren. 

Zum anderen hätte ich vermutlich nicht genügend Fettmasse am Körper, um hieraus zwei ganze Brüste zu formen. 

Über eine Verkleinerung meiner -ohnehin immer sehr großen- Brust hatte ich im Zusammenhang mit meiner Schwangerschaft bereits nachgedacht. Somit spielt auch dieser Aspekt für mich eine entscheidende Rolle: bei einem Wiederaufbau bestünde die Möglichkeit, die Brust in ihrer Größe etwas zu reduzieren. 

Viele Faktoren sprechen für das radikalerer Verfahren: Die Mastektomie

Rein objektiv hätte ich mich aufgrund dieser Fakten sofort für eine Mastektomie entschieden. Wenn nicht das Gefühl wäre. 

Dieses quälende Gefühl, ob ich mir eine derart große und einschneidende Operation zumuten möchte, obwohl ich auch anders gesund werden könnte. 

Diese Frage quält mich tagein-tagaus. 

Für meinen Mann steht ziemlich schnell fest, dass eine beidseitige Mastektomie das -im Gesamtpaket betrachtet- Beste für uns wäre. Mein Mann wäre jedoch nicht mein Mann, wenn er die finale Entscheidung nicht zu 100 Prozent mir überließe. Er versichert mir seine uneingeschränkte Zuneigung im Zuge jeglicher Option, die ich wählen werde. 

Er möchte, dass ich lebe! 

Dass ich lange lebe! 

Er möchte eine Mastektomie. 

Mein Herz ist langsamer, als mein Verstand. Aber auch ich weiß tief in mir: 

Ich will leben! Ich will lange leben! Ich will eine beidseitige, subkutane Mastektomie.

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