Beruf: Wiedereingliederung & Kündigungsschutz

Wiedereingliederung Job

Für eine Frau, die in der Arbeitswelt beschäftigt ist, folgen der Brustkrebsdiagnose auch in diesem Bereich weitführende Konsequenzen. Zunächst
wird der behandelnde Onkologe eine Krankschreibung ausstellen. 

Ich bekam diese jeweils für einen Zeitraum von vier Wochen. Der Arbeitgeber zahlt die ersten sechs Wochen der Erkrankung den vollen Lohn weiter (=Lohnfortzahlung). 

Nach diesem Zeitraum bekommt die Patientin Krankengeld von der Krankenkasse. 

Dies entspricht in etwa 70 Prozent des Nettoeinkommens und wird für einen Zeitraum von insgesamt 78 Wochen bezahlt. 

Ist die Patientin darüber hinaus weiterhin krankgeschrieben, wird nach dieser Zeit Arbeitslosengeld gezahlt.

Desweiteren resultieren einige Ansprüche aus der Brustkrebserkrankung gegenüber dem Arbeitgeber. 

Die Wiedereingliederung in den Job

Das erklärte Ziel ist es (oder sollte es sein?), nach einer Krebsdiagnose wieder arbeiten zu gehen.

Im Krankheitsfall existiert in Deutschland die gesetzliche Regelung, dass über einen Zeitraum von insgesamt 78 Wochen Krankengeld von der Krankenkasse bezahlt wird. Das Krankengeld entspricht in etwa 70 Prozent des ursprünglichen Gehaltes. Je nach Dauer und Verlauf der Erkrankung, werden die 78 Wochen unterschritten, erreicht oder überschritten. Sofern der Krankheitsverlauf es allerdings zulässt, kommt irgendwann der Moment, in dem die berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen wird.

Ich hatte das zweifelhafte „Glück“ nach dem Bezug des Krankengeldes direkt in meine Elternzeit zu wechseln, so dass ich insgesamt nach meiner Diagnose beinahe drei Jahre nicht arbeiten muss.

Wenn hingegen nach dem Bezug des Krankengeldes die berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen werden soll, besteht in jedem Fall ein Recht auf eine sogenannte „Wiedereingliederung“.

Denn niemand muss nach einer solch belastenden Krankheit von „Null auf 100“ im Job einsteigen. 

Wiedereingliederung bedeutet, dass sich die Arbeitsdauer in der ersten Zeit „nach“ der Erkrankung langsam steigert: 

zum Beispiel  werden in der ersten Woche täglich zwei Stunden gearbeitet. In der zweiten und dritten Woche täglich vier Stunden und so weiter. Bis nach einigen Wochen die ursprünglichen, beziehungsweise vereinbarten Wochenarbeitsstunden erreicht sind.

 Falls sich jedoch im Rahmen einer Wiedereingliederung herausstellen sollte, dass die Arbeitsbelastung für die Patientin noch zu groß ist, kann die Wiedereingliederung abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut begonnen werden. Alternativ kann der Arzt die Wiedereingliederung verlängern.  

Der Arbeitgeber kann eine Wiedereingliederung weder ablehnen noch über deren Konditionen verhandeln. Der behandelnde Arzt behält zu jedem Zeitpunkt die Oberhand und entscheidet, in welchem Umfang die Wiedereingliederung sinnvollerweise erfolgen sollte.

Eine solche Wiedereingliederung ist in jedem Fall zu empfehlen, um seine eigenen (neuen) Grenzen kennenzulernen. Ich für meinen Teil habe nicht das Gefühl, dass ich nach Ende der Krankschreibungen (etwa 18 Monate nach der Diagnose) wieder hätte voll arbeiten können. Daher bin ich froh, dass ich meine Elternzeit verschieben durfte und im Anschluss an meine Erkrankung tatsächlich die Zeit mit meinem Sohn genießen darf, für die eine Elternzeit gedacht ist.

krebsgesellschaft.de

Die Schwerbehinderung beantragen und dem Arbeitgeber anzeigen

Schwerbehinderte stehen unter einem besonderen Kündigungsschutz 

Der Arbeitsvertrag kann vom Arbeitgeber nur noch aufgrund schwerer Verstöße seitens des Arbeitnehmers gekündigt werden. Zudem muss der Arbeitgeber im (sehr seltenen) Fall einer arbeitgeberseitigen Kündigung zuvor das Integrationsamt um Erlaubnis fragen. Mit dieser Regelung soll gesetzlich ausgeschlossen werden, dass Arbeitgeber einen Angestellten kündigen, weil er schwerbehindert ist.

Andere Kündigungsgründe bleiben hingegen weiterhin möglich, sind jedoch schwerer durchzusetzen. Selbstverständlich schützt eine ausgewiesene Schwerbehinderung nicht vor einer Kündigung, wenn ich mich grob falsch verhalte. Jedoch ist eine Kündigung aufgrund  der Einschränkungen durch die Erkrankung gesetzlich unmöglich. Heutzutage ein -wie ich finde- nicht zu unterschätzender Vorteil in der Berufswelt.

Ein weiterer Vorteil der angezeigten Schwerbehinderung liegt in der Anzahl der Urlaubstage

Schwerbehinderte Arbeitnehmer bekommen fünf Tage Zusatzurlaub pro Jahr. Wenn also in meinem Betrieb alle Mitarbeitenden 30 Tage Urlaub pro Jahr erhalten, stehen mir als ausgewiesene schwerbehinderte Person 35 Tage jährlich zu. Diese verringern sich anteilig, falls ich als Betroffene nicht (mehr) in einer fünf-Tage-Woche tätig bin, sondern beispielsweise nur drei Tage arbeite.

Insgesamt bekommt die Schwerbehinderte jedoch grundsätzlich eine Arbeitswoche mehr Urlaub pro Jahr, als die übrigen Arbeitnehmer des Betriebes. 

Dieser Extraurlaub entsteht auch während der Krankschreibung aufgrund der Krebserkrankung und kann nach Rückkehr an den Arbeitsplatz genommen werden.

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