Erster Termin beim Frauenarzt

7.7.2020

So früh in einer Schwangerschaft macht es natürlich noch keinen Sinn zum Frauenarzt zu gehen. Ich hatte allerdings heute einen regulären Nachsorgetermin. Und wenn man vier Tage nach dem positiven Schwangerschaftstest ohnehin bei seiner Frauenärztin auf dem Stuhl sitzt, dann lässt man diese Information in der Regel nicht unerwähnt.
In erster Linie will ich also nur die Schwangerschaft bestätigt wissen. Ich war leider nicht auf das gefasst, was dann kam…

Die Ärztin sieht sich also im Ultraschall meine Gebärmutter an: keine Fruchthöhle zu sehen. Das ist erstmal für sich genommen noch nichts beunruhigendes am Tag 18 nach der Befruchtung. Allerdings erklärt sie mir, dass die Sichtbarkeit mit der Höhe des HCG Wertes in meinem Körper zusammenhängt.
Solange dieser unter 1.000 läge, wei es völlog normal, dass man im Ultraschall noch nichts erkennen kann.
Sie nimmt mir also Blut ab, um den HCG Wert zu messen und entlässt mich nach Hause ohne eine definitive Bestätigung meiner Schwangerschaft. Zugegeben, das ist vielleicht gierig von mir gewesen, aber ich hatte mir leider deutlich mehr (und vor allem positiveres) erhofft!
Aber es hat sich ja niemand so ausgesucht, es heißt mal wieder: WARTEN!

Einen Folgetermin haben wir in zwei Tagen ausgemacht, dann würde man schon eine deutliche Veränderungen sehen müssen.
Wohl ist mir bei der ganzen Sache irgendwie nicht!

8.7.2020
Ironischerweise ist heute mein Geburtstag! Ein schönes Geschenk bekomme ich leider nicht!
Gleich morgens ruft mich meine Frauenärztin an. Wieder erwarte ich ein: “Alles ok” von ihr und wieder werde ich leider enttäuscht!
Sie hätte lange überlegt, ob sie mich an meinem Geburtstag anrufen solle, aber nach Rücksprache mit ihrer Kollegin sei klar gewesen, dass sie mir diese wichtige Information auch trotz meines Geburtstages keinesfalls vorenthalten könne:
Der HCG Wert liegt leider deutlich über 1.000, um genau zu sein bei 2.500. Das heißt, dass man zumindest eine Fruchthöhle hätten sehen müssen und das Risiko einer Eileiterschwangerschaft somit deutlich erhöht ist.
Bei einer Eileiterschwangerschaft nistet sich -wie der Name schon sagt- die Eizelle nicht wie gewünscht in der Gebärmutter ein, sondern eben im Eileiter ein. Hier ist natürlich kein Platz für das Baby und somit muss eine Eileiterschwangerschaft (wenn sie nicht von alleine abbricht) aktiv beendet werden!


Es reißt mir den Boden unter den Füßen weg. Kann das wahr sein, nach dem langen Weg, den wir hinter uns haben, dass das nun das Ende vom Lied ist? Dass ich mein lange ersehntes Kind nicht nur nicht bekomme, sondern auch noch selber dafür zu sorgen habe, dass es abgeht.


Das ist zuviel für mich. Mein Tag ist gelaufen. Morgen soll ich nochmal zur Kontrolle kommen. Die zwei Tage zwischen den beiden Ultraschall würden schon für eine Veränderung ausreichen, wenn das Baby sich nur “versteckt” hätte.

Mein Mann ist wie immer eisern optimistisch. Er versucht es mit seiner bewährten Eistellung, mich zu beruhigen: Du brauchst dir heute noch nicht tausend Gedanken machen, das kannst du immer noch tun, wenn die schlechte Nachricht sicher ist!

Manchmal beneide ich ihn um seine verschiebbare Sorge. Bei mir kommt dieser Satz leider immer im rationalen Teil meines Gehirns an, scheitert aber regelmäßig kläglich an meiner Emotion: Ich mache mir ungefähr eine Million Sorgen! Wenn unser gewünschtes Wunschkind nun eine Eileiterschwangerschaft ist, verlieren wir nicht nur ein Kind. Wir verlieren zudem auch wertvolle Zeit. Denn unsere Deadline bis zum 31.12.2020 schwanger sein zu “müssen” steht. Nach einer Eileiterschwangerschaft ist es nicht ratsam, sofort wieder mit der Behandlung weiterzumachen. Zudem müsste im schlimmsten Fall eine Ausschabung gemacht werden. Alles Dinge, die Zeit kosten. Nicht zu vergessen, der psychische Aspekt, der verarbeitet werden möchte, wenn man ein Baby verliert. In mir steigt die Panik auf. Zudem die Hoffnungslosigkeit und die Fassungslosigkeit, dass uns das jetzt am “Ende” auch noch passieren muss.

Ich muss leider sagen, ich habe kaum mehr Optimismus zur Verfügung, um noch zu hoffen, das alles gut ist.

09.07.2020

Leider kenne ich dieses Spiel zugenüge: Du sitzt im Wartezimmer und weißt, dass der Termin in wenigen Minuten dein ganzes Leben verändern wird. Entweder zum Guten oder eben zum Schlechten. Die Aufregung wird auch durch ständige Wiederholung nicht weniger Folter.

Irgendwann bin ich an der Reihe. Ich schleiche gebeutelt in das Sprechzimmer. Meine Ärztin leidet mit mir. Sie ist einfach nur toll.

Ohne viel Tam-Tam liege ich umgehend auf dem Behandlungsstuhl. Sie macht den Ultraschall und für mich stellt das Bild ohnehin nur ein Ameisenrennen dar. Ich erkenne gar nichts. Es dauert nicht lange, da stößt sie einen Laut aus, umfasst mein Knie und ruft schon beinahe: “Da ist es!”

Ich muss zugeben, mir steigen die Tränen in die Augen. Meine Ärztin ist ebenfalls mehr als sichtbar erleichtert.

Der Termin dauert nicht mehr lange, aber er verändert eben doch mein Leben nachhaltig: nur dieses Mal endgültig zum Guten!

Wir bekommen ein Baby! Fast viereinhalb Jahre nach meiner Brustkrebsdiagnose werden wir endlich zu viert sein. Ich kann mein Glück kaum fassen.

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