Die dritte Insemination

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Dritter Versuch. Aller guten Dinge sind ja bekanntermaßen drei. Also nehme ich nochmal all meine Zuversicht und Hoffnungen zusammen und starte in den dritten Zyklus. Wenn es wieder nicht klappt, müssen wir uns einen Plan B ausdenken. Ich möchte noch gar nicht daran denken, aber ich frage mich schon, wieso es zweimal nicht funktioniert und dann plötzlich beim dritten Mal klappen sollte. Die Chance steigt ja nicht unbedingt mit den Versuchen- zumindest in diesem Fall.


Das Prozedere ist wie immer dasselbe. Erst mein Mann, dann Ablöse bei der Betreuung, dann lange anstehen und irgendwann wird meine Nummer aufgerufen und ich bin dran. Kurzer Check, ob das Reagenzgläschen auch tatsächlich von meinem Wunschpapa stammt und ab ins Behandlungszimmer.


Ich bin trotz der Wiederholungen ziemlich nervös.


Nachdem die Anzahl der Wunsch-Mamis im Zentrum inzwischen wieder stark gestiegen ist, bleibt keine Zeit für mich, nach der Behandlung liegen zu bleiben. Das heißt: desinfizieren, Sperma einführen, anziehen, heimgehen. Das könnte später die ziemlich trockene Entstehungsgeschichte unseres zweiten Kindes darstellen. Aber soweit sind wir jetzt gerade noch nicht!
Nach der Behandlung muss ich nochmal die After-Behandlungs-Medikamente in der Apotheke holen. Danach fahre ich wie gewohnt nach Hause und der Tag bringt keine weiteren Besonderheiten. Mein Bauch wird sich den restlichen Tag wieder ziemlich aufgebläht anfühlen. Aber auch hier gilt: nichts Neues!


So beginnt die schlimme Phase der Kinderwunschbehandlung zum dritten Mal: Warten und nichts tun können.


Die Tage vergehen im Alltag


20.06.2020
Meine Temperatur beträgt 37 Grad. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das nichts besonderes.
Um 19.15 Uhr spritze ich mir die erste Portion (1500) HCG. Hoffen wir, dass es diesmal auch etwas nützt!


22.06.2020
Ich bekomme die altbekannten Unterleibsschmerzen, die bis jetzt jedes Mal nach der Insemination auftraten. Allerdings spüre ich am Abend ein leichtes Ziehen auf der rechten Seite. Zwischendrin ein ganz winzig kleines Kribbeln… Sollte das…?!? In der sogenannten Hibbelzeit interpretiert frau ja bekanntermaßen jedes Zwicken als Symptom – also ruhig bleiben und bloß nichts überbewerten!


23.06.2020
Von ziemlich genau 11.32 bis 11.36 (ja, ich bin ziemlich pedantisch, was solche Dinge angeht) spüre ich ein kräftiges Ziehen auf der rechten Seite. Ich sitze gerade vor dem Fernseher und bearbeite einige Dinge am PC. Diese Art von Schmerz kommt schon ziemlich an die Erfahrung bei Junior damals ran und der Tag würde auch ziemlich gut passen.


Jetzt nur nicht übermütig werden, aber diese Art von Ziehen hatte ich die letzten beiden Male nicht.


Am Abend gegen 20 Uhr wird mein Gefühl nochmal beflügelt: ich sitze draußen entspannt auf der Gartenliege und plötzlich spüre ich mehrmals hintereinander kurz, aber dafür umso heftiger ein Ziehen in der rechten Eierstockseite. Das könnte jetzt aber wirklich was bedeuten. Zumindest bedeutet es eine realistischere Chance, als die Male davor, als ich gar nichts spürte.


Trotzdem: Abwarten, es hilft alles nichts!


28.06.2020
Die letzten Tage vergingen ohne großartige nennenswerte Auffälligkeiten. Dennoch ist mein Gefühl weiterhin ganz gut. Ich möchte mich aber nicht wieder in eine Hoffnung stürzen, die am Schluss qualvoll zerstört wird. Ich habe keine andere Wahl, als weiter zu warten.


Das erste einigermaßen neutrale Anzeichen, dass es eventuell geklappt haben könnte (in Anbetracht von mindestens 5 Konjunktiven), sind die Ovulationstests. Ungeduldige Frauen im Kinderwunschmodus verwenden sie zum sogenannten “Orakeln”. Das heißt, wenn die Ovulationstests, die ja ihrem offensichtlichem Namen nach zum bestimmen des Ovulationszeitpunktes (also Eisprung) gedacht sind, in dem Zeitraum auf die erwartete Periode hin weiterhin eine zweite dunkle Linie (also eigentlich die Annäherung an den Eisprung) anzeigen, dann könnte dies auf einen erhöhten HCG Wert schließen und somit gegebenenfalls auf eine Schwangerschaft.


Es heißt allerdings nicht umsonst oraklen. Und im Zusammenhang mit der Kinderwunschbehandlung, in der ja eben nach der “Befruchtung” noch HCG gespritzt wird, muss man ohnehin etwas vorsichtig sein. Diesem Trugschluss bin ich leider schon im letzten Zyklus auf den Leim gegangen, denn der Schwangerschaftstest schlägt eben auf erhöhtes HCG an, ganz gleich, wo dieses herkommt.


Jedenfalls sieht mein Orakel diesen Monat tatsächlich anders aus, als in den vorhergehenden Zyklen und könnte als positiv gedeutet werden. Die Zeichen verdichten sich, meine Zuversicht steigt. Dies Angst vor einer falschen Hoffnung allerdings bleibt.


2.7.2020
Die Temperatur müsste im schlechten Fall heute fallen. Tut sie nicht. Aber auch diesbezüglich habe ich schon einen Fehlalarm hinter mir. Sie fiel dann am nächsten Tag und schwups kam wieder die rote Pest. Also nicht mehr als vorsichtige Zuversicht aufkommen lassen!


3.7.2020
Jeden einzelnen Zyklus hatte ich Junior gefragt: “Und, meinst du die Mama hat ein Baby im Bauch?” Ich hatte schon mehrfach gelesen, dass ältere Geschwisterkinder oftmals vor ihren Müttern wussten, dass sie schwanger sind. Mit solchen Geschichten kann man mich ja super triggern, also war das immer meine 50% ernsthafte und 50% ironische Frage an ihn.


Diesen Zyklus habe ich ihn noch nicht gefragt. Stattdessen liege ich auf der Gartenliege in der Sonne, als er zu mir kommt und sich auf meinen Bauch setzt. 


Völlig ohne Vorwarnung tätschelt er meinen Bauch und fragt mich völlig selbstverständlich: “Mama, wie lange ist das Baby schon in deinem Bauch?” Ich konnte nur lachen und vor allem innerlich ziemlich stark schmunzeln. “Ich weiß gar nicht, ob da ein Baby drin ist!” 


Und der Junior nur ganz entspannt “Doch Mama, da ist ein Baby drin!!!”

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