Die Bedeutung von Sport

Sport

Ein nicht zu unterschätzendes und daher durchaus wichtiges und großes Thema in meinem Fahrplan zur Gesunderhaltung meines Körpers ist der regelmäßige Sport.

Mein Leben lang war ich zwar schlank, aber nie wirklich sportlich. Und schlank bedeutet eben nicht zwangsläufig gesund. Ich konnte mich nie wirklich aufraffen, Sport zu treiben. Jegliche Versuche, regelmäßig Sport zu betreiben, bzw. ein Fitnessstudio zu besuchen, sind trotz -im Vergleich zu heute als Mutter- schier unermesslichen Zeitressourcen kläglich gescheitert. 

So habe ich diverse Fitnessstudioverträge bezahlt, habe die Studios aber nur sehr selten und alles andere als regelmäßig von innen gesehen. Aufgrund der Tatsache, dass wir lange Zeit gar kein Auto besessen haben, fuhr ich immerhin relativ viel Fahrrad. Ich ging auch gerne spazieren und lief oftmals zu Fuß von A nach B. 

Aber sportlich? Nein, das ist nicht gerade ein Adjektiv, mit dem mein Umfeld mich beschrieben hätte. 

Aber, wie sollte es anders sein: nach dem Krebs ist alles anders!

Nach dem Ende meiner Akuttherapie riet meine Onkologin mir zu sportlicher Betätigung, um mein Rezidivrisiko zu senken. Man muss dazu sagen, dass sie eher der Schulmedizin zugewandt ist und mir selten zu Therapieformen rät, die nicht rein schulmedizinischer Natur sind. 

Dennoch ist sportliche Betätigung bei Brustkrebspatientinnen sogar im “Leitlinienprogramm der AWMF, der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft zur Behandlung von Brustkrebs” verankert. 

Hierin wird geraten, entweder 150 Minuten in der Woche moderater Bewegung nachzugehen oder sich alternativ 75 Minuten pro Woche körperlich angestrengt zu betätigen.

Sport bei Brustkrebs

Eine Vielzahl Studien belegt, dass körperliche Aktivität das Erkrankungsrisiko senkt und den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Regelmäßige Bewegung und körperliche Aktivität können die Erkrankungsrate an Brustkrebs in der Normalbevölkerung im Durchschnitt um etwa 30 Prozent verringern. Es kann nur angenommen werden, dass dies ebenfalls für (BRCA-) Genträgerinnen gilt.

Das Rückfallrisiko und die Sterblichkeit bereits an Brustkrebs erkrankter Frauen sinken um 50 Prozent, wenn sie regelmäßig Sport treiben beziehungsweise sich regelmäßig bewegen. Diese Frauen vertragen notwendige Therapien oftmals besser.

Es gibt eine Vielzahl an Studien zum Thema Sport in Zusammenhang mit Krebs.

Dr. Steven C. Moore (National Cancer Institute, Bethesda/ USA) kam aufgrund seiner Auswertung von Daten von mehr als 1,4 Millionen Menschen zu dem Schluss, dass stärkere sportliche Aktivität bei 13 Krebsarten die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, signifikant senkt.

Insbesondere für den Brustkrebs ist seit vielen Jahren erforscht, dass regelmäßige sportliche Aktivität das Erkrankungsrisiko- oder das Rückfallrisiko- zwischen 20 bis 40 Prozent reduzieren kann. 

Relevant sind hierbei das Alter im Zusammenhang mit der Menopause der Patientin und die Intensität und Häufigkeit der Bewegung: Bei körperlich aktiven Frauen sinkt das Brustkrebsrisiko vor der Menopause um 10 bis 20 Prozent. Nach den Wechseljahren sinkt das Erkrankungsrisiko um 20 bis 30 Prozent. 

Je mehr Sport betrieben wird, umso höher ist der Schutzeffekt. 

Nicht umsonst titelt die Deutsche Krebsgesellschaft auf ihrer Internetseite den sehr einschlägigen Titel: Sport bei Krebs: So wichtig wie ein Medikament.“

 Natürlich stellt auch dieser Zusammenhang keinen Garanten dafür dar, dass der Krebs nicht irgendwo ein Schlupfloch finden könnte. Das wird spätestens daran deutlich, dass auch Profisportler durch ihren Beruf nicht geschützt sind, Krebs zu bekommen. 

Das prominenteste Beispiel hierfür ist wohl Lance Armstrong. Der Radsportprofi erkrankte bereits 1996 im Alter von 25 Jahren an fortgeschrittenem Hodenkrebs mit Metastasenbildung. Drei Jahre nach seiner Diagnose gewann er die „Tour de France“. Heute ist er gesund. 

Diese Erkenntnis hat zwar keinen ambitionierten Triathleten aus mir gemacht, dennoch gehe ich inzwischen regelmäßig ins Fitnessstudio. Ich bin süchtig nach dem Glücksgefühl, mich sportlich betätigt zu haben. Am meisten genieße ich die Zeit nach dem Sport: in der Sauna schwitzen, heiß/kalt zu duschen und im Anschluss daran selbstgefällig nach Hause zu fahren, ganz im Bewusstsein, etwas sehr positives für meine Gesundheit getan zu haben. Die sportliche Betätigung an sich ist hingegen immer noch nicht mein bester Freund. Der Kern meiner Motivation ist jedoch schlussendlich nur eine Nebensächlichkeit. Hauptsache, ich gehe gerne und regelmäßig ins Fitnessstudio. 

An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die meisten Krankenkassen eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio finanziell honorieren. Meine Kasse übernimmt auf das Jahr gesehen einen vollen Monatsbeitrag in meinem Studio. 

Sport in der freien Natur gibt es natürlich sogar gratis. 

Ich gehe seit nunmehr über drei Jahren zum Sport. Begonnen habe ich drei Monate nach Beendigung meiner Chemotherapie. Meine Kondition war aufgrund von Schwangerschaft und Krebstherapie nahezu nicht vorhanden. Denn meine Sportlichkeit war, wie erwähnt, auch im Vorfeld meiner Erkrankung nicht gerade herausragend -im Gegenteil. 

Anfangs habe ich mir sehr schwer getan

Ich war oftmals frustriert und musste auf einem sehr, sehr niedrigen Sportniveau einsteigen. Dennoch habe ich schnell bemerkt, wie viel Gutes der Sport in meinem Körper bewirkt. Neben der Kondition, die ich mir ganz langsam, aber sicher zurückerobert hatte, veränderte sich auch das Gefühl in meinem operierten Arm. 

Seit mir aus der linken Achsel sieben Lymphknoten entfernt worden waren, hatte ich in diesem Arm ein etwas merkwürdiges Gefühl: das Ausstrecken des Armes war irgendwie unangenehm. Ganz so, als ob die Sehnen im Inneren des Arms nicht lang genug wären, um ihn voll auszustrecken. Im Fitnessstudio habe ich begonnen, diesen Arm bewusst und moderat zu belasten. Durch die Kraftübungen der Arme bemerkte ich schnell, dass sich das Gefühl besserte.

 Anfangs hielt die Besserung nur den Tag über, an dem ich Sport gemacht hatte. Mit der Zeit hielt die positive Verbesserung hingegen immer länger an. 

Heute kann ich voller Stolz behaupten, dass sich der operierte Arm absolut, exakt und ohne auch nur die geringste Einschränkung genauso anfühlt, wie der der gesunde Arm. 

Ich brauche wohl auch nicht zu erwähnen, dass das oftmals gefürchtete Lymphödem ebenfalls ausblieb. Ich schreibe diese Tatsache in großem Maße der regelmäßigen sportlichen Belastung meines Armes zu. 

Auch das Ausdauertraining hat mir spürbar geholfen

Gebeutelt durch die zerrissenen und kurzen Nächte aufgrund der Bedürfnisse meines Säuglings und der sehr erschöpfenden Chemotherapie, verfügte mein Körper kaum mehr über Energie. Entgegen aller Logik habe ich allerdings jedes Mal nach dem Sport mehr Energie verspürt, als ohne sportliche Betätigung. 

Inzwischen gehe ich zwei- bis dreimal in der Woche zum Sport. Ich habe mir die Haltung angeeignet, nicht darüber nachzudenken, ob ich gerade Lust habe Sport zu machen: ich suche mir die Tage heraus, an denen ich Zeit habe zum Sport zu fahren und dann mache ich Sport. Punkt. 

So habe ich es von Anfang an gehandhabt. Hierzu motiviert mich persönlich die sofortige und spürbare Verbesserung meiner Leistung und meines Körpergefühls durch die sportliche Betätigung. Beides hatte durch die Schwangerschaft und die Chemotherapie monatelang erheblich gelitten. Darüber hinaus gibt es für mich keinen größeren Motivator, als die Chance auf diese Art aktiv den Krebs von mir fernhalten zu können. 

Diese Aussicht ist mir jede einzelne Minute Anstrengung absolut wert.

Inzwischen kann ich mir ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen

Das soll nicht bedeuten, dass ich ständig einen Marathon laufe oder täglich sportliche Höchstleistungen vollbringe. Ich gehe einfach gerne und regelmäßig ins Fitnessstudio und mache mein Training. 

Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil besteht allerdings in dem Luxus, dass mein Fitnessstudio Kinderbetreuung anbietet. Ein Segen für junge Mütter. 

Heute bin ich davon überzeugt, dass Sport der „Jungbrunnen“ ist, den alle so verzweifelt suchen. Nicht nur, um dem Krebs davonzulaufen, sondern auch um generell bis ins hohe Alter fit zu sein bzw. zu bleiben. Ich bin ich der persönlichen Überzeugung, dass Menschen, die (nicht im Hochleistungssektor) regelmäßig und bis ins hohe Alter Sport treiben nicht nur gesünder altern, sie können auch Begleiterscheinungen des Altern erheblich reduzieren. 

Die unglaublich positiven Auswirkungen auf Sport im höheren Alter kann ich immer wieder in meiner eigenen kleinen persönlichen „Feldforschung“ im Fitnessstudio feststellen: die Damen und Herren jenseits der 70, die ich regelmäßig dort antreffe sind teilweise wirklich beeindruckend fit und vor allem agil. 

Erst neulich habe ich zufällig zwei betagte Damen bei „Das Supertalent“ gesehen, die eine beeindruckende Choreographie am Barren vorgeführt haben, bei der sie wie zwei 20-jährige hin und herschwangen. Allerdings waren die beiden Damen bereits 77 und 80 Jahre alt. Ich bin überzeugt, dass sie nicht allzu viele altersbedingte Zipperlein in ihren Körpern verspüren werden.

Die Deutsche Krebshilfe bietet in ihrer Broschüre  einen Fragebogen, um einen eigenen Bewegungsmangel prüfen zu können.  Dennoch muss man meiner Meinung nicht zwingend mehrmals die Woche im Fitnessstudio schwitzen, um seiner Gesundheit einen Gefallen zu tun. 

Denn jede regelmäßige „kleine“ Bewegungseinheit ist besser, als gar kein Sport. 

Wer keine Zeit für ein Fitness-Studio hat (wobei man Zeit nicht hat, die nimmt man sich), für den gibt es viele Möglichkeiten, ein wenig mehr Bewegung in seinen Alltag zu integrieren, z.B. der Klassiker: Treppe statt Aufzug. Mit dem Fahrrad zur Arbeit. Eine Station früher aus der S-Bahn steigen und zu Fuß nach Hause gehen. Wer Hund und/oder Kind hat, kann sich ohnehin kaum zu wenig bewegen.   

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