Die erste Insemination

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Heute ist es endlich soweit: Meine erste Insemination kann starten. Allein, dass es überhaupt in meinem Leben zu diesem Punkt gekommen ist, treibt mir die Freudentränen in die Augen.


Mein Mann muss um 10 Uhr im Kinderwunschzentrum sein. Da hat er seinen Job für die Befruchtung zu erledigen. Das Spermiogramm wird im Vorfeld ausgewertet, um sicherzustellen, dass es nicht bereits an der Qualität der Spermien hapern könnte, dass sich die Eizelle befruchten lässt. Sein Spermiogramm ist vollkommen in Ordnung und wir können den Versuch wagen.


Mein Mann kommt nach seinem Auftrag nach Hause und ich fahre los. Die Übergabe von Junior erfolgt rasch an der Tür. Ich bin ziemlich aufgeregt, als ich mich der Klinik nähere. Junior war auch eine Insemination und er entstand direkt beim ersten Versuch. Mit diesem Wissen beflügelt, hege ich größte Hoffnungen für den heutigen Termin. Das Prozedere kenne ich ja zum Glück schon. Es ist allerdings auch wirklich nicht dramatisch: als ich nach der Anmeldungen und eventuellen weiteren Rückfragen im Behandlungszimmer liege, geht es eigentlich ganz schnell: die Insemination an sich dauert keine 5 Minuten. Der jeder Frau bekannte Frauenarztstuhl kommt auch hier zum Einsatz. Als erstes werden die Daten der Spermaentnahme geprüft und abgeglichen, nicht dass es zu einer Verwechslung kommt…


Dann geht es ab auf den Stuhl. Die ebenfalls bekannte in der Regel etwas kalte “Frauenarztgabel” kommt zum Einsatz. Sie stellt in dem ganzen mit den unangenehmsten Part da- also alles wirklich nicht tragisch und null schmerzhaft. Als erstes wird eine Art Desinfektionsmittel in den Gebärmutterhals gespült. Sobald diese Flüssigkeit im Körper ist, ist als nächstes das aufbereitete Sperma an der Reihe. Hiervon merkt man in der Regel gar nichts. Das Gefühl, dass wieder etwas hinaustropft kommt ausschließlich von dem Desinfektionsmittel. Das Sperma ist an der richtigen Stelle im Körper platziert und fließt nicht wieder zurück.


Uneins sind sich die Mediziner, ob es sinnvoll und zielführend ist, nach der Insemination noch etwas liegen zu bleiben oder direkt aufzustehen. 


Nachdem ich es logischer finde, dass Liegenbleiben besser ist, frage ich die Ärztin ob ich noch kurz bleiben kann. Sie hat nichts dagegen und somit liege ich kurz darauf alleine im Behandlungszimmer und beschwöre meinen Körper mit meinen Gedanken, dass er sich doch jetzt bitte in aller Ruhe befruchten lassen solle. Mal sehen, wir gut ich ihn im Griff habe… Nach ca. 20 Minuten stehe ich auf, ziehe mich an und fahre überglücklich nach Hause.
Nun folgt der wirklich schlimmste Teil des gesamten Vorgangs: Warten!
Erst nach frühestens 14 Tagen kann man einen Schwangerschaftstest machen und am besten eigentlich erst nach Ausbleiben der Periode. Bis dahin kann ich nicht mehr viel machen: hop oder top. Nur Hoffnungen kann ich mir jetzt noch machen. Den Rest muss mein Körper erledigen.


Den restlichen Tag ist Junior ziemlich entspannt und wir haben wenig Stress. Da sollte ja immerhin schonmal eine gute Voraussetzung sein.


Ich habe ein gutes Gefühl.


25.4.2020
Heute habe ich wenig Lust auf Süßigkeiten, was für mich sehr untypisch ist. Allerdings spannt mein Bauch auch relativ stark, es ist deutlich spürbar, dass in ihm etwas vorgeht. Was es ist, verrät er mir allerdings frühestens in zwei Wochen. Andere Anzeichen verspüre ich heute nicht. Langsam bin ich etwas verunsichert, ob es geklappt haben kann. Ich versuche mich zwanghaft an die Abläufe bei meiner ersten Schwangerschaft zu erinneren. 

Aber bei aller Liebe kann ich mich nicht mehr an das Körpergefühl am ersten Tag nach der Insemination erinnern. Also wieder zurück zu meiner eigentlichen Aufgabe: Warten!


28.4.2020
Ich spüre immer mal wieder ein kleines Ziehen auf der rechten Seite im Unterbauch. Es ist allerdings nicht von Dauer und auch eher leicht. Ungefähr heute könnte bzw. müsste sich das Ei einnisten. Damals bei Junior habe ich das ziemlich deutlich gespürt und wusste ab dem Moment genau, dass es geklappt hatte. Ich kann mich sogar heute noch an den Ort und die Situation erinnern, als ich den Einnistungsschmerz gespürt habe. Mein heutiges Ziehen ist definitiv nicht so. Ich tröste mich mit der Aussage vieler Mehfachmamas, dass jede Schwangerschaft komplett anders läuft. Also vielleicht habe ich ja nicht jedes Mal Einnistungsschmerzen. Ich hoffe zwar, aber habe kein gutes Gefühl.


29.4.2020
Heute muss ich zum zweiten Mal HCG spritzen. Dieses Prozedere musste ich damals bei Junior nicht machen. Ich habe kleine Bedenken, wegen der Hormone. Jedes Hormon, das ich meinem Körper nicht noch extern zuführe, ist mir im Moment das liebste Hormon. Dennoch vertraue ich dem Chefarzt der Klinik und spritze mir die Hormone.


30.4.2020
Ich spüre: rein gar nichts! Das kann bekanntermaßen alles oder nichts heißen.


3.5.2020
Ich spüre so etwas wie Periodenschmerzen. Zudem ein leichtes Ziehen in der Brust. Auch mein Bauch zieht auf der linken Seite etwas. Einbildung oder Bedeutung?


4.5.2020
Ich tendiere heute das erste Mal zu einer Aussage: ich glaube, ich bin schwanger! Mein Bauch ist gebläht, ich habe leichten Druck im Unterleib. Es fühlt sich an wie eine nahende Periode, allerdings eher seitlich, anstatt ansonsten eher in der Mitte.


5.5.2020
Da ich fleißig weiterhin Temperatur messe, steigt sie heute noch einmal über 37 Grad. Bei mir eher ungewöhlich. Ansonsten habe ich keinerlei Anzeichen für gar nichts und bin nur gereizt und müde.
Die Corona Regierung beschließt heute immerhin einige Öffnungen, so dass es zumindest einen Grund zur Freude gibt.


6.5. 2020
Die Temperatur steigt nocheinmal über 37 Grad. Ich frage mich, ob die Kurve triphasisch sein könnte. Allerdings stecke ich in der Temperaturmethode noch nicht so tief drin, dass ich das mit Sicherheit interpretieren könnte.
Ich weiß nur, dass es ein gutes Zeichen wäre, wenn es denn tatsächloich stimmen würde. Meine Stimmung ist heute eher labil und ziemlich emotional.


9.5.2020
Die Temperatur ist deutlich abgefallen und trotz eingeredeter Hoffnungen ist das ein untrügerisches Zeichen, dass ich NICHT schwanger bin.
Schwups, untermauert auch meine Periode diese Interpretation.
Ich bin sehr traurig, tatsächlich auch enttäuscht von meinem Körper und desillisioniert. Ich hatte mir ehrlich gesagt ziemlich große Hoffnungen gemacht und wollte einen positiven Test auch als Zeichen des Lebens sehen, dass ich eben schwanger sein soll.


Jetzt ist alle Hoffnung dahin und ich komme schwer aus meiner schon leicht panischen Verzweiflung heraus.


Das Gute ist aber auch hier: In einem Ende, steckt ebenfalls ein Anfang: 


Also auf in den zweiten Zyklus!

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