Krankenfahrten

Die Krankenkasse muss die Kosten für die Fahrten mit einem Taxi zur und von der
(Tages-)klinik übernehmen, in der die Chemotherapie -und in meinem Fall auch
die Antikörpertherapie- verabreicht wird. Hierzu muss allerdings bei der Krankenkasse
ein Antrag gestellt werden. 

 

Ich weiß nur zu gut, dass es kurz nach der Diagnose und kurz vor der ersten Chemotherapie wahrlich 1.000 andere Dinge gibt, die im Kopf präsenter umherschwirren, als irgendwelche Anträge an die Krankenkasse zu stellen.


Ich habe an dieser Stelle die Erfahrung gemacht, dass meine onkologische
Tagesklinik gerade bezüglich notwendiger organisatorischer Dinge zum Anfang der
Behandlung eine sehr große Unterstützung bietet. Da die onkologischen Praxen
diese Prozeduren traurigerweise mehrmals täglich durchführen müssen, können sie
Patientinnen bestens beraten. Ich denke in den meisten Fällen wird die
Onkologie viele Anträge von sich aus ausfüllen und der Patientin zur Verfügung
stellen. Falls die Onkologie keine Hilfe anbieten sollte, halte ich es durchaus
für vertretbar, aktiv um Unterstützung zu bitten. In den wenigstens Fällen wird
an dieser Stelle wohl die Hilfe verwehrt. In so einem Fall würde ich die Wahl
der behandelnden Onkologie ohnehin noch einmal überdenken.


Auch wenn ich sicherlich nicht gerne in die Onkologie gekommen bin, haben mir die
Menschen dort mit ihrer netten Art meine Besuche doch etwas leichter gemacht.
Zudem habe ich in meinem ganzen Leben noch keine organisatorisch so
zuverlässige Arztpraxis erlebt, wie es die onkologische Tagesklinik war.


Vom Ablauf her ist der Antrag ähnlich des Ausstellens eines Medikamentenrezeptes
durch den Arzt: der Onkologe füllt vor Beginn der Chemotherapie in der Verordnung
(„Verordnung einer Krankenbeförderung“) aus, wann und wieviele Taxifahrten zur
Behandlung notwendig werden. Dieser Antrag wird zur Krankenkasse gesendet,
welche ihn wiederrum genehmigen und zurücksenden muss.


Der Antrag darf zwar bei Chemotherapie, Bestrahlung etc. nicht abgelehnt werden, dennoch
muss die Patientin auf den Erhalt der schriftlichen Genehmigung warten


Dies kann einige Tage in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit hatte mein Mann sich bereits
mit einem örtlichen Taxiunternehmen in Verbindung gesetzt und meine
Fahrttermine vereinbart. Er hat darüber hinaus eine Absprache mit dem Taxiunternehmen
getroffen, dass beim Antritt einer außerplanmäßigen Fahrt zur Onkologie ein
vergünstigter Fixpreis fällig wird. Diese Regelung mussten wir in der Tat
einige Male in Anspruch nehmen, denn die Krankenkasse übernimmt die Fahrtkosten
nur am Therapietag.


Sobald die Genehmigung der Krankenkasse eintraf, mussten wir diese an das
Taxiunternehmen weiterleiten. Im Vorfeld hatten wir eine Kopie hiervon in
unseren Unterlagen abgelegt. Alle weiteren Abrechnungen wurden von nun an
zwischen der Kasse und dem Transportunternehmen veranlasst. Ich musste
lediglich jedes Mal den Fahrtantritt gegenzeichnen.


Es fallen pro einfacher Fahrt Zuzahlungsgebühren an 

Mindestens 5 Euro bis maximal 10 Euro pro Fahrt.
Hierüber hat das Taxiunternehmen direkt an uns eine Rechnung gestellt.


Vorsichtig sollte man in jedem Fall mit dem Bewilligungsdatum der der Krankenkasse für die
Krankenbeförderung sein: falls die Beförderung nicht bis zum Ende aller
Therapien genehmigt wurde, muss nach Ablauf des Bewilligungsdatums umgehend das
gesamte Prozedere wiederholt werden.


Da wir zu dem Zeitpunkt nicht darauf geachtet hatten, hatten wir -also vielmehr mein
Mann- im Nachhinein einige Scherereien mit der Krankenkasse, weil wohl versäumt
wurde, nach dem Jahreswechsel während der Antikörpertherapie eine zweite Verordnung
auszustellen.


Nachdem die Formalien erledigt waren, wurde ich jeden zweiten Dienstag pünktlich um
10.00 Uhr von meinem Taxi vor der Tür empfangen und in die Onkologie gefahren.
Das Positive an diesen Fahrten sind die Menschen, die ich kennengelernt habe
und mit denen ich mich immer sehr nett austauschen konnte. 


Im Laufe der Zeit hatte ich irgendwann meine Lieblingstaxifahrerin, die mich fast jedes Mal zur
Onkologie gefahren hat. Sie hat mich somit einen relativ langen Teil auf meinem
Weg begleitet. Bei diesen Fahrten habe ich sogar immer mal wieder etwas
gelernt. Z.B. dass ein großer Anteil der Arbeit eines Taxiunternehmens aus regelmäßigen
Krankenfahrten besteht. Außerdem hat meine Taxifahrerin eines Tages eine
wundervolle Schlussfolgerung gezogen, auf die ich so nicht gekommen wäre: sie
erklärte meinen Sohn zu meinem Lebensretter. Denn wäre er nicht gewesen, hätte
ich Adolf gegebenenfalls nicht (so früh) entdeckt. Wundervoll! Allein für
diesen Gedankengang bin ich im Nachhinein dankbar, dass ich Taxi gefahren bin.


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