Die Anschlussheilbehandlung / Familienkur

Anschlussheilbehandlung

Wenn die belastende medizinische Therapie (größtenteils) vorüber ist, besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine Anschlussheilbehandlung (AHB). 

Diese erfolgt in der Regel stationär. Es gibt eine Vielzahl an Einrichtungen, die auf (Brust-) Krebspatienten spezialisiert sind. Diese Kliniken sind überall in ganz Deutschland verteilt.

Die Patientin muss die AHB über die Krankenkasse beantragen. Es kann auch eine Beantragung über die Rentenversicherung erforderlich sein. Die meisten Kliniken stellen gewisse Bedingungen an einen Aufenthalt. In der Regel muss die medizinische Akuttherapie abgeschlossen sein. Oftmals werden zudem nur Patientinnen ohne Fernmetastasen aufgenommen.

In der Einrichtung selbst geht es darum, den Patientinnen Unterstützung zu bieten, sowohl die Erkrankung und deren körperliche Belastungen psychisch als auch physisch zu verarbeiten. Die Angebote reichen von Yoga über Gruppentherapien, bis hin zur Ernährungsberatung.

Ich selbst habe keine AHB in Anspruch genommen. Weniger, weil ich kein Interesse daran gehabt hätte. Vielmehr stellten uns die Anforderungen einer AHB vor nicht lösbare Herausforderungen. Ich habe es immer gerne in einem Satz zusammengefasst: „Es hat meine  Situation nicht zu geben“.

Eine Anschlussheilbehandlung wird nur genehmigt, wenn diese Maßnahme zwischen –frühestens- sechs Wochen nach der Beendigung der Akuttherapie und –spätestens- sechs Monaten nach ihrem Ende liegt. Also hätte ich spätestens sechs Monate nach dem Ende meiner Chemotherapie starten müssen. Zu diesem Zeitpunkt wäre Junior elf Monate alt gewesen.

Es gibt durchaus Kliniken, die eine Aufnahme von Müttern durch Kinderbetreuung ermöglichen. Die Kliniken von Annette von Rexrodt Fricks sind auf junge Mütter mit Kindern spezialisiert. Doch auch in speziellen Kliniken müssen die Kinder meist drei Jahre alt sein,  jedoch nicht unter einem Jahr.

Also gab es für mich keinen Zeitraum, in dem ich eine ABH hätte in Anspruch nehmen können. Eine AHB ohne Junior kam für mich nicht in Frage. Denn wie hätten er und auch ich uns erholen sollen, während wir drei Wochen voneinander getrennt sind? Ziemlich schmerzlich bekamen wir also erneut zu spüren, dass ich durch meine Geschichte ein untypischer Einzelfall bin – herzlichen Glückwunsch!

Statt einer AHB haben mein Mann und ich uns aufgrund der schweren Belastungen der vorausgehenden Monate dazu entschieden, eine „Familienkur“ zu beantragen.

Erster Ansprechpartner hierfür ist der Hausarzt. Er diagnostiziert im Gespräch die Grundlage für eine Kur und stellt ein Attest auf dem Kurantrag der Krankenkasse aus. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an Beratungsstellen des „Müttergenesungswerks“. Diese können Unterstützung liefern, vom Antrag bei der Krankenkasse bis hin zur Kliniksuche. 

Väter und Mütter haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kur, sobald der Arzt eine entsprechende Diagnose stellt. Gesetzlich wird entweder eine Mutter-Kind-Kur oder eine Vater-Kind-Kur genehmigt. 

Dass beide Elternteile gemeinsam mit nur einem Kind auf Kur gehen dürfen, ist nicht vorgesehen. Das heißt eine Kur mit Anwendungen für beide Erwachsenen zahlt die Krankenkasse nur, wenn mindestens zwei Kinder der Familie angehören. Es macht sich in unserem Fall an dieser Stelle eine leichte Ironie bemerkbar.

Wir haben damals Einspruch gegen diese Ablehnung durch die Krankenkasse eingelegt. Wir haben unsere spezielle Situation in einem ausführlichen Schreiben dem MDK (= Medizinischer Dienst der Krankenkassen) dargelegt. Dieser hat daraufhin unserer Krankenkasse auferlegt, die Kosten sowohl für mich, als auch für meinen Mann zu
übernehmen. So haben wir tatsächlich die Genehmigung erhalten, dass sowohl mein Mann, als auch ich als Patienten auf Kur gehen dürfen. Unser Sohn war unsere Begleitperson. Da wir diese Kur erst ein Jahr nach Ende der Chemotherapie machen konnten war unser Sohn zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr alt, so dass er betreut werden konnte.

Die Mutter-Kind-Klinik war natürlich nicht auf Krebserkrankungen spezialisiert, sondern fokussierte sich in erster Linie auf Erholung und Stressabbau. Dieser Fokus gefiel mir besser. Ich hätte mich bei dem Gedanken –mich ohne die Begleitung meines Mannes und meines Sohnes in einer Rehaklinik mit anderen an Krebs erkrankten Frauen auseinanderzusetzen- ohnehin eher unwohl gefühlt. Vielmehr wollte ich endlich Abstand von Adolf bekommen. Im Nachhinein bin ich froh darüber, statt einer AHB eine Familienkur gemacht zu haben.

Was das Beste für die jeweilige Patientin ist, muss sie individuell für sich entscheiden.

Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Mutter/Vater-Kind-Kur besteht alle vier Jahre. Der Kurarzt kann hingegen in besonderen Fällen bei der Entlassung eine Empfehlung aussprechen, diesen Zeitraum zu verkürzen. Möglich ist eine Verkürzung auf zwei Jahre. In besonderen Fällen sogar auf ein Jahr. Das Nachfragen beim Kurarzt lohnt sich in jedem Fall.

Wichtig zu beachten ist, dass auch bei einer Mutter/Vater-Kind -Kur in der Regel eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag geleistet werden muss. Zudem können in den Kliniken weitere Kosten fällig werden, wie z.B. Fernseh-, Telefon-, oder Internetgebühren.

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