Risiken bei Schwangerschaft nach Brustkrebs?

Remission

Eine Brustkrebsdiagnose ist schrecklich. Das wünscht man keiner Frau. Dennoch erhalten jedes Jahr in Deutschland 70.000 Frauen diese Diagnose.

30 Prozent der Frauen erhalten ihre Diagnose unter 50. Insgesamt 10 Prozent sogar unter 35 Jahren.

Insbesondere zu einem so frühen Zeitpunkt im Leben an Brustkrebs zu erkranken, ist die Familienplanung noch nicht abgeschlossen, oder hat noch nicht einmal begonnen.

Wenn man Ärzte zum Thema Kinderwunsch nach Brustkrebs befragt, halten sie sich in der Regel bedeckt. In den meisten Fällen werden die Patientinnen auf das Netzwerk FertiProtect hingewiesen.

In Deutschland gibt es zahlreiche Kinderwunschkliniken, die in diesem Netztwerk vertreten sind. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Fruchtbarkeit der Frau auch über schwere Therapien, wie die Chemotherapie hinaus, aufrecht zu erhalten. Ziel ist es, nach abgeschlossener Krebsbehandlung den Kinderwunsch weiterhin zu ermöglichen.

Für viele Krebsarten ist es tatsächlich möglich, nach Abschluss der Therapie schwanger zu werden.

Brustkrebspatientinnen: eine spezielle Risikogruppe

Bei Brustkrebs liegt hingegen eine spezielle Krebsart vor, bei der eine nachfolgende Schwangerschaft mit Risiken verbunden ist.

Ein sehr großer Anteil der an Brustkrebs erkrankten Frauen hat einen sogenannten Hormonpositiven Tumor. Das heißt, der Tumor reagiert auf die Hormone Östrogen und/ oder Progesteron und wird durch sie zum wachsen angeregt. Das möchte man natürlich nicht.

Aus diesen Grund werden diese Tumore heute mit einer Anti-Hormon-Therapie behandelt. Das heißt, die Frauen bekommen Medikamente, die sie künstlich in die Wechseljahre versetzen, um dem Körper diese beiden Hormone zu entziehen. Gegen den Tumor, bzw bezüglich des Risikos von Rezidiven und/oder Metastasen ist diese Therapie somit äußerst effizient.

Dennoch bedeuten Wechseljahre, neben vielen Bekannten Nebenwirkungen eben auch Unfruchtbarkeit. Eine Frau in den Wechseljahren kann keine Kinder bekommen.

Die Therapie dauert in der Regel fünf Jahre. So weit ich weiß, ist das die längste reguläre Krebstherapie überhaupt. Inzwischen stehen medizinisch bei einigen Frauen bereits zehn Jahre zur Diskussion.

Das Alter der Frau bekommt also bei hormonpositiven Tumoren eine besondere Bedeutung. 

Mit zunehmendem Alter birgt auch die Schwangerschaft einer “gesunden” Frau ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen und gesundheitliche Probleme. Nicht umsonst wird nach wie vor eine schwangere Frau, die älter als 35 Jahre ist, als “Risikoschwangere” bezeichnet. 

Das größte Risiko bei einer Schwangerschaft nach Brustkrebs stellt hingegen der Krebs selbst dar. 

Zum Eisprung einer Frau produziert der Körper um die 300 ng/l Östradiol. Das ist im regulären Zyklus der Höchstwert. 

In den Wechseljahren (und somit während einer Anti-Hormon-Behandlung) liegt der Wert bei unter 20 ng/l. 

Im letzten Trimester einer Schwangerschaft kann dieser Wert um die 14.000 ng/l erreichen. Das ist mehr als das 40ig-fache des Höchststandes im weiblichen Zyklus. Quelle

Bei dem Hormon Progesteron sieht es ähnlich deutlich aus

Zum Eisprung produziert der weibliche Körper maximal 25 µg/l .Nach den Wechseljahren sind es weniger als 1 µg/l .

In der Schwangerschaft wird ein Höchstwert um die 420 µg/l  erreicht. Das entspricht ungefähr der 17-fachen Menge. Quelle

Wenn man sich diese Zahlen ansieht, drängt sich das Risiko bei einer Schwangerschaft nach hormonabhängigen Tumoren förmlich auf: Die Werte steigen um ein Vielfaches. Falls der Tumor also unbemerkt gestreut hatte, werden diese sogenannten “Schläferzellen” durch die hohen Hormone gefüttert. Genau den gegenteiligen Effekt sollen schließlich Anti-Hormon-Therapien erzielen. 

Somit ist erstmal klar: eine Schwangerschaft macht genau das Gegenteil von einer Anti-Hormon-Therapie. 

Das Risiko der einzelnen Frau, dass ihr Tumor unbemerkt gestreut hatte, bzw. durch die Menge an Hormonen wiederauftritt, ist selbstverständlich -wie die gesamte Krebserkrankung- höchst individuell. 

Beide Richtungen sind möglich: Es befanden sich keine Schläferzellen im Körper und der Krebs kehrt trotz Schwangerschaft nicht zurück oder es blieb vor der Schwangerschaft etwas unbemerkt im Körper zurück und die der Krebs wächst und/oder streut durch die Schwangerschaft. 

Das ist meines Erachtens ein nicht sehr kleines Risiko. 

Ärzte raten daher Frauen mit Kinderwunsch nach Brustkrebs eher von einer Schwangerschaft ab. 

Dennoch stehen sich an dieser Stelle zwei existentielle Gegensätze gegenüber: Das eigene Leben riskieren oder ein neues Leben schenken. 

Diese Entscheidung kann jede Frau nur für sich selber treffen. 

Dennoch hat sich aufgrund der immer größer werdenden Bedeutung ebendieser Frage (durch die stetige Verjüngung der Brustkrebspatientinnen) auch die Forschung dieser Frage angenommen. 

2017 konnte ein Studienergebnis veröffentlicht werden, dass im Anschluss an eine abgeschlossene Anti-Hormon-Therapie (also komplette fünf Jahre, ggf. zehn Jahre) eine Schwangerschaft das Rezidivrisiko nicht erhöht. Dies gilt auch für Patientinnen mit hormonpositivem Tumor. 

Das ist somit die gute Nachricht, wenn die Fruchtbarkeit der Patientin erhalten wurde, oder sie vom Alter her noch soviel Zeit hat. Wie lange es im Anschluss dauert, bis eine Schwangerschaft eintritt, ist selbstverständlich unklar. 

Für viele Frauen ist dieser relativ lange Zeitraum gewollt oder ungewollt zu lang. So dass viele Frauen über eine Schwangerschaft vor Beendigung der Therapie nachdenken. 

Während der Therapie ist es hingegen medizinisch eindeutig geklärt, dass eine Schwangerschaft vermieden werden muss, das das Fehlbildungsrisiko unter der Einnahme der Medikamente sehr stark erhöht ist. 

Es bleibt also nur: Anti-Hormon-Therapie absetzen/ beenden oder nicht schwanger werden. 

Einige Ärzte raten inzwischen zum goldenen Mittelweg: Die Anti-Hormon-Therapie unterbrechen und im Anschluss an die Schwangerschaft fortsetzen und beenden. 

Doch hierzu gibt es explizit noch keine medizinisch ausgewerteten Studien, die das Risiko eines erneuten Erkrankens einschätzen können. Eine solche Studie (POSITIVE) läuft aktuell im internationalen Studienrahmen. Deutschland nimmt nicht teil und Ergebnisse werden erst in einigen Jahren erwartet. 

Somit bleibt das Risiko für jede Frau nur selbst abzuwägen. 

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