Nachsorgepass & Nachsorgetermine

Nachsorge

Die Nachsorge beginnt im Anschluss an die Akuttherapie. Sie besteht aus regelmäßigen Untersuchungen und Gesprächen mit dem Arzt. Durch diese Kontrollen sollen sowohl neu auftretende Tumore früh erkannt, als auch Nebenwirkungen und Spätfolgen der vorausgegangenen Therapie adäquat behandelt werden.

Eines kann die Nachsorge nicht leisten: sie kann ein Wiederauftreten der Erkrankung nicht verhindern.

In Deutschland ist die Nachsorge bei Brustkrebs inzwischen weitestgehend auf „symptombasierte“ Untersuchungen reduziert worden. Das heißt, dass „CT“ oder „MRT“ nur dann gemacht werden, wenn bedenkliche Symptome auftreten, die anderweitig nicht abgeklärt werden können.

Diese Aussage hatte mich zunächst ziemlich beunruhigt. Schließlich hört man immer wieder -und das ist Fakt- dass eine frühzeitige Entdeckung eines Tumors die Heilungschancen umfassend positiv beeinflusst. Meine Ärzte erklärten mir hingegen, dass das frühzeitige Erkennen beim Wiederauftreten des Krebses (als Metastase) keine besseren Heilungschancen mit sich bringt. In diesem Fall habe der Krebs bereits den gesamten Organismus infiltriert, wodurch eine Heilung medizinisch unwahrscheinlich wird. 

Ein Vorteil der symptombasierten Untersuchungen liegt hingegen in der reduzierten Strahlenbelastung für den Körper. Denn Untersuchungen, wie Röntgen oder CT belasten jedes Mal den Körper und steigern ihrerseits das Risiko für Krebserkrankungen.

Zum Vergleich:

  • die natürliche Strahlung eines in Deutschland lebenden Menschen liegt im gesamten Jahr bei durchschnittlich 2,1 Millisievert.

  • Das Rauchen von 20 Zigaretten am Tag verursacht 0,8 Millisievert Strahlenbelastung in der Lunge.

  • Eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbes verursacht zwischen 0,01 und 0,03 Millisievert.

  • Ein CT des gesamten Körpers hingegen belastet diesen ebenfalls mit einer hohen Strahlendosis von 10 bis 20 Millisievert.

Der Nachsorgepass

Mit der Diagnose erstellt der behandelnde Arzt einen sogenannten „Nachsorgepass“ aus. Das ist ein kleines orange/weißes Heftlein, indem sowohl die genaue Diagnose, die
Tumorklassifikation, die erfolgte(n) Operation(en) und die Ergebnisse der Tumorkonferenz eingetragen werden.

Im Verlauf der Behandlung werden hier alle Therapiegaben, wie Chemotherapie oder Antikörpertherapie genau dokumentiert. Alle Untersuchungen im Rahmen der Nachsorge werden ebenfalls erfasst. Somit kann sichergestellt werden, dass zu
jedem Zeitpunkt der Therapie jeder beliebige Arzt den aktuellen Stand und bisherigen Verlauf der Krankheit und der Therapie rekonstruieren kann.

Wenn ich einige Tage wegfahre, oder gar im Urlaub bin habe ich den Nachsorgepass immer bei mir. Krebs ist zwar in der Regel keine Notfallerkrankung. Dennoch halte ich es für vernünftig, bei längerer Abwesenheit vom Wohnort den Pass bei mir zu tragen.

Tipp im Umgang mit dem Nachsorgepass

Zu den Nachsorge-Untersuchungen muss der Pass unbedingt mitgebracht werden, um jeden weiteren Verlauf zu dokumentieren. Ich habe inzwischen meinen ersten Pass „voll
gemacht“, weshalb ich kurzerhand einen zweiten Pass an meinen ersten getackert bekam.

Offizielle Leitlinien der Krebsgesellschaft zur Nachsorge

Die Leitlinien geben einen Rahmen vor, wie die Nachsorge aussehen. 

Diese gelten für nicht metastasierten Krebs

  • Im Ersten bis Dritten Jahr nach der Diagnose

Alle drei Monate: Arztgespräch und körperliche Untersuchung

Alle zwölf Monate: beidseitige Mammografie (nach Brusterhaltender Operation)

Alle zwölf Monate: Ultraschall beider Brüste

Bei Verdacht auf Rezidiv und/oder Metastasen bzw. Therapienebenwirkungen: Bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen etc.

  • Viertes und Fünftes Jahr:

Alle sechs Monate: Arztgespräch und körperliche Untersuchung

Alle zwölf Monate: Mammografie und Brustultraschall

Bei Verdacht auf Rezidiv und/oder Metastasen bzw. Therapienebenwirkungen: Bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen etc.

  • Ab dem Sechsten Jahr:

Einmal jährlich: Früherkennung (Mammografie und Brustultraschall)

Bei Verdacht auf Rezidiv und/oder Metastasen bzw. Therapienebenwirkungen: Bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen etc.

Dieser Plan gilt nur für symptomfreie Patientinnen. Stellen Frauen selbst Veränderungen fest oder treten Beschwerden auf, sollten sie sofort einen Termin bei ihrem behandelnden Arzt ausmachen.

Jede Frau benötigt eine auf ihren Tumor und ihren Krankheitsverlauf angepasste Nachsorge.

Spezialfall: Patientinnen im DMP Programm

Als Teilnehmerin am DMP muss ich alle drei Monate bei meiner Gynäkologin vorstellig werden. Sie überprüft im Wechsel meine Eierstöcke -die aufgrund der Genmutation ebenfalls ein höheres Krebsrisiko tragen- und die Brust per Ultraschall. 

Außerdem behält sie auch meine restlichen Fortpflanzungsorgane im Auge. Durch die Einnahme von Tamoxifen erhöht sich das Risiko für Gebärmutterschleimhaut-Veränderungen und infolgedessen für Gebärmutterkrebs.

Parallel gehe ich einmal im Jahr zur Mammographie. 

Ein halbes Jahr darauf zum Brustultraschall. 

Zu meiner Onkologin gehe ich ebenfalls etwa drei Mal im Jahr. Sie kontrolliert meine Blutwerte und inneren Organe, wie Leber und Milz per Ultraschall.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen, gehe ich alle sechs bis zwölf Monate zum Augenarzt: Tamoxifen kann am Auge zu Hornhautveränderungen führen. 

Auch mein Herz lasse ich alle sechs Monate von einem Kardiologen untersuchen.

Auch wenn die Kontrolltermine zunächst nach viel Zeit in Arztpraxen klingen mögen, verteilen sie sich relativ gut über das gesamte Jahr. Ich persönlich gehe lieber einmal zu viel zur Kontrolle, als einmal zu wenig. 

Mit Zunahme der rezidivfreien Jahre werden die Zeitabstände immer länger. 

In jedem Fall sollte jedoch nach der Brustkrebserkrankung über mindestens zehn Jahre Nachsorge betrieben werden.

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