DMP & Psychoonkologie

Psychoonkologie

Das Disease-Management-Programm (DMP)

Dies wird von den Krankenkassen in Zusammenarbeit mit einem betreuenden Arzt für diverse chronische Erkrankungen angeboten -so auch für Brustkrebs. 

In meinem Fall ist meine betreuende Ärztin meine Gynäkologin.

Im Rahmen des Programmes muss ich alle drei Monate bei meiner DMP- Ärztin vorstellig werden. Im Gegenzug hierzu werden erweiterte Kontrolluntersuchungen (z.B. Ultraschall) von der Krankenkasse übernommen.

Um am DMP teilzunehmen, muss die Patientin bei dem behandelnden Arzt einen Fragebogen ausfüllen und wird durch Unterschrift in das Programm aufgenommen. Das Angebot des DMP wurde -bei Brustkrebspatientinnen- inzwischen auf die Dauer von zehn Jahren ausgeweitet.

Im Rahmen des DMP hat man einen Anspruch auf eine psychologische Begleitung über den gesamten DMP-Zeitraum von inzwischen zehn Jahren. 

Ob eine Patientin dieses Angebot annimmt, bleibt ihr überlassen. Der Zeitpunkt des Beginns, der Turnus, wie auch die Dauer der Inanspruchnahme können von der Patientin individuell festgelegt werden.

Es ist somit möglich, durch Vorzeigen meiner Krankenkassenkarte eine zehn-jährige Begleitung durch meinen Psychoonkologen in Anspruch zu nehmen. Das ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Aspekt bei der Krankheitsbewältigung.

Denn mit der Sekunde der Diagnosestellung tut sich ein Krebs-Heilungs-Sog auf, in dem man anfangs nur fremdgesteuert mitgerissen wird. Dieser Sog steuerte auch die Arztauswahl im Laufe meiner Behandlung: keinen einzigen Spezialisten habe ich mir selber suchen müssen –zum Glück! Meine damalige Gynäkologin hat mich an den Spezialisten vom Brustzentrum (der mich später auch operierte) überwiesen. Vom Spezialisten wiederum wurde mir meine heutige Onkologin empfohlen. Sie wiederum hat mir bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt meinen jetzigen psychoonkologischen Therapeuten ans Herz gelegt.

Wer nicht in den Genuss eines solch hilfreichen Netzwerkes kommt, kann auf der Internetseite des Krebsinformationsdienstes mithilfe einer Umkreissuche einen Psycho-Onkologen finden.

Das Angebot an Fachkräften ist –wie grundsätzlich bei Therapeuten- hingegen begrenzt. 

Es scheint in unserer Umgebung lediglich eine handvoll Psychoonkologen zu geben. Wie mein Glück es wollte, arbeitet einer dieser wenigen Fachmänner 200 Meter von dem Wohnhaus meiner Eltern entfernt. Zufall? Später werde ich feststellen, dass dieser Mann in seinem Job herausragend
gute Arbeit leistet. Er ist mir eine unglaublich hilfreiche Stütze auf meinem -zuweilen sehr schwierigen- Weg. Manche Dinge sollen einfach so sein. 

Ich persönlich halte die psychoonkologische Betreuung für sehr nützlich, hilfreich und -für sensible Menschen wie mich- unumgänglich.

Eine Woche nach der ersten Chemotherapie hatte ich meinen ersten Termin. Mein Therapeut begleitet mich also beinahe vom ersten Tag meiner Diagnose. Diese Tatsache ist durchaus hilfreich in der Zusammenarbeit: er hat (fast) alle Höhen und Tiefen meiner Erkrankung direkt in einer „Live-Version“ miterlebt. Er kennt sogar mein „altes Ich“, mit meinen “alten” Haaren.  

Ich besuche ihn seitdem im Schnitt alle zwei Wochen. Einen wöchentlich Besuch empfinde ich für mich persönlich weder als notwendig, noch wäre dies mit der Betreuung meines Sohnes stressfrei zu vereinbaren. Wenn

ich wollte, könnte ich den Turnus allerdings verkürzen –es gibt keine Vorgaben.

Dieser Leitsatz trifft insgesamt so ziemlich genau die Devise der
psychoonkologischen Betreuung: es geht darum, dass alles was der Patientin in den Sinn kommt, ihr wichtig erscheint, sie in ihrem Leben verändern möchte, wertungsfrei fachmännisch begleitet wird.

Das unterscheidet die Psycho-Onkologie von der Psychotherapie. Hier wird eine psychologische Störung versucht zu behandeln, im Hinblick auf ein bestimmtes Therapieziel.

Die psychoonkologische Behandlung ist eine reine Begleitung und dient der
psychischen Unterstützung. Sie hat als einziges Ziel gemeinsam mit der
Patientin einen für sie gesunden und verkraftbaren Umgang mit der Krebserkrankung zu finden.

Der Therapeut begleitet wertfrei jede Lebensentscheidung, welche die Patientin trifft. Er beeinflusst nicht und gibt auch keine Handlungsempfehlungen. Er steht lediglich mit seiner psychologischen Expertise zur Seite, um die Patientin in ihrer subjektiven Situation zu unterstützen. Dennoch verfügen die spezialisierten Psychoonkologen über ein sehr fundiertes Wissen bezüglich medizinischer Vorgänge einer Krebserkrankung. Mehr als einmal hat mir dieses medizinische Wissen, -nicht durch die Augen der Schulmedizin (allein) bewertet- bei Entscheidungsfindungen geholfen.

In den vergangenen zwei Jahren meiner psychoonkologischen Begleitung, habe ich beinahe alle Fragestellungen meines Lebens mit meinem Therapeuten besprochen. Er hat bereits eine Menge an Brustkrebspatientinnen vor mir begleitet und schöpft daher aus
einem großen Schatz an Erfahrungen. Die grundlegenden Veränderungen, die der Krebs in meinem Leben nach sich zog, waren nicht immer leicht. 

Dennoch geht die Veränderung immer weiter. Da tut es gut zu wissen, dass ich professionell begleitet werde. Egal, wie unangenehm manche Gespräche zuweilen auch sein mögen.

Neben einer Langzeitstudie Studie aus dem Jahr 2007 (Küchler / Journal of Clinical Oncology 2007) konnte ebenfalls eine Untersuchung in den 1990er Jahren zeigen, dass Krebspatienten, die während ihrer Diagnose von Psychotherapeuten betreut wurden und psychosoziale Unterstützung erhielten eine längere Überlebenszeit nach Brustkrebs aufwiesen. Alles in Allem hatten Krebspatientinnen, die sich psychotherapeutisch betreuen ließen eine nahezu doppelt so hohe Überlebenswahrscheinlichkeit, wie nicht unterstütze Patientinnen.

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