Schwerbehindertenausweis

Schwerbehinderung

Eine Krebserkrankung stellt einen entscheidenden Einschnitt im Leben dar. Nicht nur auf psychischer und mentaler Ebene ist dies unumstritten. Diese
Beeinträchtigungen können in Form einer sogenannten Schwerbehinderung offiziell anerkannt werden.

Dies geschieht allerdings nicht von alleine. 

Es bedarf eines Antrags an das Versorgungsamt. Hier kann aufgrund einer bösartigen Tumorerkrankung ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden.

Das klingt zunächst extrem. Als Laie könnte man meinen, dass sich eine Schwerbehinderung auf schwere körperliche Einschränkungen bezieht.
Dem ist jedoch nicht so. Eine Krebserkrankung rechtfertigt in der Regel einen sogenannten „Grad der Behinderung“ von mindestens 50. Aufgrund diverser Einschränkungen (z.B. Brustamputationen bei Brustkrebs oder Stoma bei Darmkrebs) kann der Grad höher eingestuft werden. Die Skala reicht bis 100.

Ich arbeite in meinem „normalen“ Leben als stellvertretende Personalleitung. Da die Schwerbehindertenausweise auch dem Arbeitgeber vorgelegt werden (können), war ich mit dieser Thematik bereits vor meiner Erkrankung durchaus vertraut. Dennoch fiel es mir anfangs sehr schwer, die Tatsache zu akzeptieren von nun an als „schwerbehindert“ zu gelten. Ich empfand diesen Ausdruck mit Anfang 30 durchaus als psychisch belastend.

Dennoch rate ich jeder Patientin dazu, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. 

Die Vorteile, die sich hieraus ergeben, sind nicht zu unterschätzen und sollten meiner Meinung nach in jedem Fall in Anspruch genommen werden. Auch wenn solch ein Antrag –ein weiteres Mal– organisatorische Arbeit erfordert. 

Im Sozialrecht wird der „Grad der Behinderung (GdB)“ in verschiedene Gruppen unterteilt: 

  • Ein Grad bis 30 bringt erstmal keine nennenswerten Vorteile für die Betroffenen mit sich.

  • Ist aufgrund einer Erkrankung ein Grad zwischen 30 und 50 ausgewiesen, so kann man eine sogenannte „Gleichstellung“ beantragen. Eine bewilligte Gleichstellung räumt weitere Rechte ein. Beispielsweise den besonderen Kündigungsschutz . 

  • Ein Grad ab 50 -somit bei nahezu jeder Krebserkrankung- gilt als „Schwerbehinderung“.

Es besteht keine Verpflichtung, den Arbeitgeber über den Status einer Schwerbehinderung zu informieren. 

Dies erfolgt freiwillig. Es ist jedoch zu beachten, dass eine (beim Arbeitgeber) ausgewiesene Schwerbehinderung arbeitsrechtlich zwei erhebliche Vorteile mit sich bringt:

Schwerbehinderte stehen unter einem besonderen Kündigungsschutz 

   Der Arbeitsvertrag kann vom Arbeitgeber nur noch aufgrund schwerer Verstöße seitens des Arbeitnehmers gekündigt werden. Zudem muss der Arbeitgeber im (sehr seltenen) Fall einer arbeitgeberseitigen Kündigung zuvor das Integrationsamt um Erlaubnis fragen. Mit dieser Regelung soll gesetzlich ausgeschlossen werden, dass Arbeitgeber einen Angestellten kündigen, weil er schwerbehindert ist.

Andere Kündigungsgründe bleiben hingegen weiterhin möglich, sind jedoch schwerer durchzusetzen. Selbstverständlich schützt eine ausgewiesene Schwerbehinderung nicht vor einer Kündigung, wenn ich mich grob falsch verhalte. Jedoch ist eine Kündigung aufgrund  der Einschränkungen durch die Erkrankung gesetzlich unmöglich. Heutzutage ein -wie ich finde- nicht zu unterschätzender Vorteil in der Berufswelt.

Ein weiterer Vorteil der angezeigten Schwerbehinderung liegt in der Anzahl der Urlaubstage.

Schwerbehinderte Arbeitnehmer bekommen fünf Tage Zusatzurlaub pro Jahr. Wenn also in meinem Betrieb alle Mitarbeitenden 30 Tage Urlaub pro Jahr erhalten, stehen mir als ausgewiesene schwerbehinderte Person 35 Tage jährlich zu. Diese verringern sich anteilig, falls ich als Betroffene nicht (mehr) in einer fünf-Tage-Woche tätig bin, sondern beispielsweise nur drei Tage arbeite.

Insgesamt bekommt die Schwerbehinderte jedoch grundsätzlich eine Arbeitswoche mehr Urlaub pro Jahr, als die übrigen Arbeitnehmer des Betriebes. 

Dieser Extraurlaub entsteht auch während der Krankschreibung aufgrund der Krebserkrankung und kann nach Rückkehr an den Arbeitsplatz genommen werden.

Auch finanziell bietet der Schwerbehindertenausweis einen Vorteil: 

Er rechtfertigt einen Steuerfreibetrag, so dass sich die jährlich zu zahlende Steuerlast verringert. Je höher der Grad der Behinderung ist, umso höher ist der Freibetrag. Hierüber finden sich online Aufstellungen und Tabellen.

Grundsätzlich existiert der Schwerbehindertenausweis in zwei Ausprägungen: befristet oder unbefristet.

Bei einer Krebserkrankung wird der Ausweis in der Regel auf fünf Jahre befristet ausgestellt.  Diese magischen fünf Jahre nenne sich „Heilungsbewährung“ -was immer man von diesem Begriff als Betroffene auch halten mag. Ich möchte nicht davon sprechen, dass man nach dieser Zeit geheilt wäre. Denn wir Brustkrebspatientinnen können aufgrund des Risikos für Spätrezidive medizinisch eigentlich nie wirklich von Heilung sprechen. 

Dennoch: sofern innerhalb der ersten fünf Jahre kein Wiederauftreten der Krankheit erfolgt, wird die Schwerbehinderung in der Regel aufgehoben. Gegebenenfalls reduziert sich lediglich der „Grad der Behinderung“. Zum Beispiel rechtfertigt meine subkutane Mastektomie beider Brüste mit Wiederaufbau einen Grad der Behinderung von 20-30.

Da diese Einschränkung dauerhaft besteht, bleibt ebenfalls dieser Grad dauerhaft erhalten. 

Was man mit einem Schwerbehindertenausweis hingegen nicht darf: auf Behindertenparkplätzen parken! Nur Personen mit „AG” (außergewöhnlich gehbehindert) oder „BL“ (blind) auf ihrem Ausweis dürfen diese nutzen. 

Allerdings gibt es eine Menge Einrichtungen, die bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises Rabatte gewähren (z.B. Kino, Theater, Zoo, etc.)

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